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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Beaufsichtigende Thätigkeit des Wahlausschusses.

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Europa verbreiteten Corporation", dieauf eigener Börse ihre gemein-schaftlichen Angelegenheiten besorgt" und ihreVorsteher" besitzt. Umeinen wirklichen Verein, eine wirkliche Korporation mit eigentlicherVerfassung und Vorstandschaft handelte es sich, wie wir wissen, beidieser Börsen-Korporation des deutschen Buchhandels nicht, und Büchcr-kommission in Leipzig , Landesregierung, Kirchenrat und Kommerzdeputationin Dresden sprachen sich, wie in den 1760er Jahren, wie in den Jahren1802/04, wie im Jahre 1812 mit Eifer gegen den Jmmatrikulations-und Korporationsgedanken der Denkschrift aus, als wodurch eine wahreZunft gebildet, ein Zunftgeist ausgebildet, ein 8tÄw8 in st-atu würdeerrichtet werdend Allein wirklich: der deutsche Buchhandel war einereigentlichen Verfassung noch niemals näher gewesen. Der Wahlaus-schuß, und in ihm wieder die Leipziger Buchhandlungsdeputicrten, undhier wiederum vor allen Paul Gotthelf Kummer , sie standen an derSpitze des deutschen Buchhandels und übten in der That eine Artwirklicher Aufsicht über die deutschen Buchhändler aus. Sie bezog sichin erster Linie, dem Zwecke getreu, dem der Wahlausschuß seinen Ur-sprung verdankte, auf den Nachdruck und Nachdrucksvertrieb. In seinenMitgliedern ganz Deutschland überwachend, ist er in zahlreichen Fällennamentlich dem heimlichen Nachdruckshandel in Norddcutschland nichtohne Erfolg entgegengetreten. Dabei ist auch hier dieses Wirken nichtals ein eigentlich vereinsmäßiges zu denken. Indessen liefen die ver-schiedenen Beobachtungen in der Person Kummers zusammen, den indoppelter Weise eine Art autoritativen Charakters umkleidete, undder zudem jederzeit der nächste dazu war, die Organisation des LeipzigerKommissionswcscns unmittelbar zu beeinflussen und so den Wider-spenstigen den Vertrieb zu erschweren oder gar zu sperren. Als derStuttgarter Nachdruck des 4. Bandes von Brockhaus' Conversations-lcxikon erschien, in dem A. F. Macklot seinefreundschaftliche Über-einkunft" mit Brockhaus anzeigte, und man argwöhnte, Brockhaushabe sich von demehrlosen Nachdruckcr" den Mund mit Golde stopfenlassen, ersuchte Bertuch Kummer dringend, von Brockhaus eiueRecht-fertigung" deshalb zu verlangen. Im Oktober 1817 schreibt die Niko-laische Buchhandlung in Berlin an Schneider in Göttingen : er habeja imMecklenburgischen Jntelligcnzblatt" Schillers Werke in 18 BändenOktav zu 8 Rthlr. 16 gr. angekündigt.Was ist daß für eine Aus-