136 3. Kapitel: Die Gründung des Börscnvercins der Deutschen Buchhändler.
gäbe? Ich erbitte mir bestimmte Auskunft." Schneider antwortet trotzigzurück: „Die Karlsruher Ausgabe." Am 14. Mai 1818 aber erhalter ein ernstes Schreiben von Kummer, und diesem gegenüber tritt ernun in einem ausführlichen Schreiben seine Verteidigung an. Widerwilliggenug: „Ich muß Ihnen offenherzig gestehen daß ich nur Gott undmeiner Obrigkeit verantwortlich bin, ich thue Recht und Scheue Nie-manden, und von denjenigen Menschen, die mir nicht Wohl wollen,nehme ich keine Notiz, sie machen viel Lerm, ohne zu wißen ob sie ge-gründete Ursachen dazu haben, und sehen den Splitter in meinen Augen,und vielleicht den Balcken in ihren Augen nicht ... In Dr. MartinLuthers Bibel steht, man soll seinen Menschen dienen, wie sich selbst,daß will selbst Gott ! nach der Heiligen Schrift haben." Allein nichtlange, und neben Gott und der hannoverschen Obrigkeit sitzt der alteKummer, und der Göttinger liegt vor ihm auf den Knien und beichtet,er sei durch das Verlangen guter Kunden angesichts des sonstigen Nach-drucksvcrtriebs durch Buchhändler und Buchbinder in die „Klemme" ge-bracht, die Anzeige aber zu seinem bittersten Ärger vom KarlsruherBüreau auf eigene Faust eingerückt worden. „Ans den Verkauf derNachdrucke, thue ich völlig Verzicht — lieber alter Herr Kummer! jetztthun Sie mir die Freundschaft, und laßen Sie mir recht baldc wißenob Sie meine Auftraege, ferner besorgen wollen oder nicht." Denndie Leipziger Kommissionäre zu verhindern, die Vertretung süddeutscherNachdrucker anzunehmen, resp. sie zur Aufkündigung derselben zu bewegen,dazu thaten die Leipziger Deputierten ihr Möglichstes und in verschiedenenFällen mit Erfolg.
Im Jahre 1815 veranstaltete Dr. Arnold Mallinckrodt in Dort-mund unter dem Titel: „Bemerkungen, Deutschlands Litteratur undBuchhandel betreffend", einen Neudruck seiner Reformschrift vom Jahre1800 („Über Deutschlands Litteratur und Buchhandel"). Er fügte ihrnur eine neue Einleitung hinzu und entwickelte darin ein Reform-programm mit folgenden Hauptpunkten: Einschränkung der Firmeuzahl;Maßhalten und sorgfältiges Abwägen im Verlegen; Einschränkung derÜberzahl der Journale; Ausrottung der Schleudern, „einer bisherigenArt von Todessprung"; Einführung des Broschicrens; Ausmerzen desVorurteils des Sortimenters gegen den Verleger, durch den er ohneWagnis 50 °/g gewinnt. Die Lage des Sortimentcrs malt er dabc