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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Rcformgedmikcu, Kundenrnbcilt und Schleuderei. 1Z7

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mit sehr behaglichen Farben. Erstens hätte er gar nicht 33^/z, sondern50 Prozent, und zwar ohne alles Risiko, das habe allein der Verleger.Zweitens sei längst die Zeit dahin, in der er seinen guten Verlag gegenMakulatur seines Kollegen tauschte, um nur tauschen zu können, denndas Ncmissiouswcsen blühe ja auch im Verkehr der Sortimeuter unter-einander. Es ist das Vcrlagssortimcnt der alten NeichSbuchhändler-Handlungsart, das Mallinckrodt dabei voraussetzt; Tauschhandel in Ver-bindung mit Konditionsbczug. Dort, wo die Türme von Leipzig, Berlin ,Göttingen, Hamburg ragten, klangen die Äußerungen jedenfalls ganzanders. Überproduktion, Übcrfüllung cS war selbstverständlich, daßdiese Klagen auch jetzt wieder angestimmt wurden. Wenn wir nachgreifbarer» und angreifbarer» Übclständcn suchen- so waren das nebendem Nachdruck und Nachdrucksvcrtricb vor allen wieder Kundenrabattund Schleudern.

Wenn mit Mallinckrodts Sätzen gesagt sein sollte, daß das Kon-ditionssystem dem tüchtigen Sortimenter in der Zurückdrängung desKauf- und des Tauschzwangcs wesentliche Erleichterungen gebracht hatte,so war das gewiß richtig. Dafür konnte sich aber natürlich andrerseitsim Laufe der Zeit das Gewicht der Konkurrenz im allgemeinen nurverstärken.Das ehemalige System dcö >iundcnrabatts soll nachgeradewieder aufkommen", sagt die Meßrclation von Michaelis 1820.

Eine Bnchhändlcrschrift" vom Jahre 1819 erhebt bittere Anklagenüber die Vcrlagshandlungen, die ihren Verlag dem Partitulicr undBüchcrtrödlcr mit demselben Rabatt lassen wie dem Sortimentcr undgegen Barzahlung bis zu 40 und 5)0 Prozent. Und dabei verlangensie, daß der Sortimentcr keine Nachdrucke vertreiben soll! Es sind dasdieselben Gedanken und ist derselbe Zusammenhang der Gedanken, wiesie Horvath das Jahr darauf den Männern vom Wahlausschuß ent-gcgcnwarf, als diese den alten Börscnpächter wegen NachdrucksvcrtricbSstellten. Die Kontanthändlcr beanspruchen ein Monopol sür ganz Deutsch-land , rief er, und darum, daß der Verzicht auf den Nachdruckvertricbfür den Sortimentcr ohne Verlag so gut wie unmöglich sei, kümmertensie sich nichts Unsere Schrift fährt damit fort, die erbarmungsloseKonkurrenz des Verlegers zu schildern: Rabatt über Rabatt, fünfzigMeilen weit in der Nuudc wird auf Absatz spekuliert, in Stadt undLand werden die Novitäten in großen Paketen zur Ansicht ins Haus