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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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138 3. Kapitel: Die Gründung des BörseuvereiuS der Deutschen Buchhändler.

geschickt:und freut sich inniglich, wenn er durch seine fleißige Betrieb-samkeit seinen Kollegen einige Kunden weghaschcn kann." Am verheerend-sten wirkt das Gebühren der Leipziger Verleger. Leipzig die Hochburgdes Kundenrabatts und der Schleudern das war der Gegenstandder Erbitterung nicht nur der Sortimenter, sondern auch von Männernwie Cotta.5 Partikuliers und Büchertrödlcr erhielten 12 bis 25Rabatt; Bücher an Partikuliers wurden mit 16 bis 25 "/g Rabatt durchganz Deutschland , zuweilen postfrei versandt; die Leihbibliotheken wurdenmit großem Rabatt bis 50 Meilen weit mit Neuigkeiten versorgt; zurWeihnachtszeit gab man sogar Galanteriehändlcrn Almanachs, Taschen-bücher und Kinderschriftcn in Kommission.

Horvath äußerte sich noch viel derber. Seine Stellung zun? Leipziger Nachdrucks-Aufsichtsrat erinnert an die Wirkung des sächsischen Mandatsvom 18. November 1773 auf den Rcichsbuchhandel.Es wird dieZeit eintreten, daß vielleicht in wenigen Jahren keine auswärtigen Buch-händler nach Leipzig zur Messe kommen werden, und den ganzen Kramvon Hause aus, wie es schon viele thun, mit Gemächlichkeit, ohne sogroße Kosten, deshalb zu verwenden, abmachen werden."

Auch hier ist nun der Wahlausschuß vorgegangen. Zu Jubilatc1820 nahm er den Kampf gegen einen der Leipziger Schlcudcrer, EarlHeinrich Neclam auf. Reclam unterwarf sich keineswegs, sondern be-gründete die Notwendigkeit seiner Geschäftsweise.Nur die Trennungdes Verlcighündlcrs vom Sortimcnthändler ist die Quelle, aus welcherdas Hauptunglück, welches unfern Handel drückt, entsprungen ist. DerVcrlaghändler, indem er sich als Fabrikant betrachtet, sucht nicht mehrbloß die Vermittlung des Sortimenthündler. Die Mittelperson zwischendem Vcrlagbuch-Händler und dem l'udlivnm muß der Sortimentbuch-Händlcr scyn, von dem Augenblick au, wo dicß nicht mehr stattfindet,ist unser Handel dem Einzelnen Preis gegeben, und wer die Bücherwohlfeil hat, es scy auf welchem Wege es wolle, kann sie auch nachseinem Willen verkaufen . . . Was soll ich als Sortimcnthändlermachen, wenn der Käufer zu mir kömmt, und mir Belege zeigt, daßjener ^ntiiMai-, dieser Leihbibliothecar, und mein Nachbar, der Macu-latur-Händler ihm einen Rabatt geben, wobei sie nur einen höchst un-bedeutenden Gewinn haben? Da es die erste kaufmännische Klugheitist; wo noch ein Groschen zu gewinnen ist, diesen nicht außer Acht zu laßen,