152 3- Kapitel: Die Gründung des Börsenvereins der Denlschen Buchhändler.
Vereinsmitgliedcr sind jedenfalls durch kein Zwangsinittel zum Beitrittgenötigt worden, und die sogenannte Strafe besteht lediglich in der „Ver-weigerung einer Gefälligkeit", d.h. des Kredits, den man jedem jederzeitohne jeden Grund entziehen kann, denn der Kredit ist keine Zwangspflicht.
Ringsum im Lande aber, wie damals in den Vorjahren desHorvath-Göschenschen Ncformversuchs, wurde in verschiedener undmannigfaltiger Weise der Wunsch nach der endlichen Gründung einesdeutschen Buchhändlervereins als Schöpfers und Bewahrcrs einer Buch-handelöreform laut. Beschränkung des Geschäftsverkehrs (und zwar ein-schließlich Pränumeration uud Kommission) auf die Mitglieder des Ver-eins, also unter Ausschluß der Partikulicrö und der Büchcrtrödlcr, Ver-weigerung jeglichen Buchhändler-Rabatts an Nichtmitglicdcr und jeglichenRabatts an Kunden, Enthaltung von Nachdruck und Nachdrucksvertrieb,Erniedrigung der Bücherprcise, um das Publikum für den Nabattvertnstzu entschädigen, Einführung einer strengen Aufsicht und der Pflicht derDenunziation, jährliche Bekanntmachung der Mitgliederliste und der vonihr Gestrichenen: das etwa waren die hauptsächlichen der Punkte, diein den Broschüren zur Sprache kamen. Auch ein Buchhändlerblatt war,wie damals vor zwei Jahrzehnten, jetzt wieder entstanden, wenn es sichauch au Vornehmheit, Allgemeinheit der buchhändlcrischen Interessen-vertretung und Verbindung mit der litterarischcn Welt nicht mit dein„Allgemeinen literarischen Anzeiger" messen konnte. Der „Neue Lite-rarische Anzeiger", der vom 1. Juli 1806 an erschien, war schon mitdem Ende des ersten Halbjahrs 1808 „bis auf günstigere Zeiten" ein-gestellt worden, ohne indessen dann wieder aufzuleben. Von 1811 aberschienen Bertuchs lebhafte „Allgemeine typographischen Monatsberichtedes teutschen Buch- uud Kunsthandels"; im Jahre 1819 endlich gründeteder alte Johann Christian Krieger (1746—1825), der Begründer derI. C. Kricgerschen Buchhandlung in Marburg , das „Wochenblatt fürBuchhändler, Antiquare, Musik- und Disputenhändlcr". Es brachtezahlreiche Anregungen zur Bildung eines Buchhäudlervercins, war da-neben das Organ Horvaths, des Gegners der Leipziger Ncsormtcndcnzen,und faßte die Vercinsbildung vielfach mehr im Sinuc der spätcrnSortimentcrvcrcinc auf. Als Beispiel eines buchhändlcrischen Neform-Circulars mag ein solches von H. R. Saucrländer, dem Verleger Zschoktes,in Aarau vom 18. April 1821 dienen: