Reformwünschc. Veränderte Bedeutung der Messen.
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Es sind Jahre verflossen, und noch haben alle unsere bisherigen Sollizi-talioucn nichts gefruchtet. Es können noch viele Jahre vergehen, und wir werdenforthin mit den gleichen Übeln zn kämpfen haben, wenn nicht der ernste Entschluß,uns selbst zu helfen, gefaßt wird.
Schon hat sich seit geraumer Zeit im Geschäftsgange Manches von selbst er-geben und geordnet, das nun von Allen beobachtet wird. Wir sind sämmtlicheinverstanden über die Dauer des Kredits, über die kommissionsweise Zusendungaller neuen Verlagsbücher, über die Regel beim Remittiren, über das Verwahrengegen das Disvositioustellcu, über dcu Zeitpunkt des Abschlusses und Saldirens,über die Zahlungstermine und über die Bedingung des Uebcrtrags. Fragen wirnun, was denn eigentlich den Handel niederdrückt, so ist es das Unheil dcS Nach-drucks, wodurch Allen mehr oder minder, früher oder später wehe gethan wird;es ist das Ueberhandnchmen des Prännmerationswescus, das den Buchhandelmühselig, ja oft verächtlich macht: denn kein Kaufmann läßt sich eine Waare voraus-bezahlen, die erst noch fnbrizirt werden soll; es ist das dabei übliche Nettvstcllcnder Preise, wodurch mau dem Publikum, dem man wahrscheinlich dabei eine zu-gänglichere Seite wieder mehr abgesehen hat, wohl den Ankauf erleichtern, aberdem Sortimcntshündlcr den gewöhnlichen Rabatt abkürzen will, der eigentlich nie,nnd ohne die dringcudsteu Umstünde nicht geschmälert werden sollte; es ist dasverderbliche Schlendern und unmäßige Rabatgebcn im Sortimentshandel; es sinddie oft wahrhaft übertriebenen und allzuhohcn Bücherpreise von einigen Verlegern,wodurch den wahren Litcraturfreunden allerdings manchmal gerechte Ursachen zuKlagen gegeben, und eine schlimme Meinung vom Buchhandel überhaupt veran-laßt ward.
Eiugcdcuk des würdigen Berufes, dem wir nns gewidmet, dürfte es jetztwohl an der Zeit sein, dafür ernstlich zn sorgen, denselben gänzlich wieder zuehrenvollein Ansehen zu bringen, und mit aller Kraft und Entschlossenheit denluauuigfachcn Uebclu, die ihm so verderblich werden, entgegen zu arbeiten. Esist daher wüuschcuswerth, daß in der nächsten Jnbilatemesje vermittelst des löbl.Wahlansschusses nnd dnrch Mitwirknng eines jeden wackeru Handelsgenossen sichein Verein bilde, dessen wichtige Aufgabe es werde, dem eingerissenen Verderbenkräftiglich zn steuern.
War der Wahlausschuß dcr Messias, der die Hoffnung der Buch-haudelsvölkcr erfüllen sollte?
Eins gewiß fehlte ihm: die organische Verbindung mit der Börse.„Der Börse Fond, Würde und Dauer zu verleihen" war der feste Grund-gcdaukc schon der Horvath-Göschcnschcn Rcformbcwcguug gewesen.
Daß festerer Zusammenschluß uud aussichtsvolle Inangriffnahmedcr Reform nur iu Anlehnung an die Börse erfolgen konnte, warauch jetzt sicher. Aber wie stand cS denn mit der Aussicht auf Bedeutungund Dauer der Börse? der persönlichen Abrechnung am Platze des per-sönlichen Mcßhandcls? „Wenn jetzt die Messen nur Schatten sind vonihrer ehemaligen Wichtigkeit", heißt es in Kirchners „Ansichten von