154 3. Kapitel: Die Gründung des Börseuvercins der Deutschen Buchhändler.
Frankfurt a. M." (II, 1818, S. 28), „so liegt dcr Grund hauptsächlichin den mächtigen Veränderungen der Zeit. Dcr Handel hat sich neueBahnen gebrochen. Die steigende Kultur, der vergrößerte Wetteifer, diewachsende Gewinnsucht, kommen den Bedürfnissen dcr Verbraucher aufhalbem Wege cntgcgcu," Mußte damit nicht auch die Buchhändlermesseihre Bedeutung verlieren, Notwendigkeit und Möglichkeit ihrer Existenzeinbüßen?
Gerade was dcu Buchhandel betrifft, so klingen Äußerungen ausden ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts freilich noch stark altzeit-lich. „Es ist empfindlich zu warten und immer zu warten, bis dieBuchhändler von der Messe zurück sind, und dann noch zu warten, bisihre Ballen nachgeschleppt ankommen", schreibt Zelter 1810. Aber ge-messen an dcr atlgcmcincn Wandlung, die sich vollzog, erscheinen siedoch als Äußerungen unwilliger Ungeduld gelegentlich einzelner Fälle,die für die Beurteilung des Ganzen nicht maßgebend sind.
Die Michaclismcssc erstens, in der alten Organisation ein not-wendiger und uncntbchrlichcr Bestandteil, ging cndgiltig ein. Sie scheintfür den deutschen Buchhaudcl „nach und nach alle Bedeutung verlierenzn wollen", sagt die Michncliömcßrclatiou vom Jahre 1810, seit demJahre 1807 kämen die meisten Auswärtigen nur noch zu Ostern nachLeipzig , und fast nur Verleger aus der Nachbarschaft würden noch an-getroffen. Ein Berliner Rundschreiben aus dem Jahre 1823 aber sagt:„Die Michaclismcssc ist für dcu Buchhandel nur dem Namen nach vor-handen", und die Relationen von 1824 und 1825) berichten bündig,eine Buchhändler-Michaclismesse gebe es nun nicht mehr; die Aus-wärtige» pflegten sic uicht mchr zu bcsuchcu, und die Zahlungen wür-den deshalb durch Barscndungcn erledigt.
Die Ostermcsse aber begann nun die Gestalt wirklich anzunehmen,auf deren Herausbildung die Entwickclung dcö Buchhandels in der zwei-ten Hälfte des 18. Jahrhunderts unaufhaltsam hingctricbcn hatte. UnsHeutigen kommt ihre damalige Gestalt noch altertümlich genug vor. Da-mals aber erschien sic noch als etwas so Neues, daß man das Ein-gehen des Meßbesuchs überhaupt befürchtete'. Die Urgestalt war noch infrischer Erinnerung. „Wer während eines Zeitraumes vou zwanzigJahren uud länger dem Gange des Geschäfts zugesehen und darin ge-lebt hat", sagt Georg Reimcr (Berlin ) in einem Rundschreiben vom