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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Veränderte Bedeutung der Messen.

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Februar 1820,wird wissen, daß zu jener Zeit und noch späterhin dieRechnungen ohne Ausnahme bis zur Ostcrmcssc fortgeführt und in diesergetilgt wurden. Weder vom Dispositionsstellcn noch vom Bortrage derlctztempfangencn Sendungen war die Rede, eben so wenig von bedingungs-wciscr Lieferung der Neuigkeiten (dein sogenannten ä OmMt>i«>n-Gcbcn).Die neuen Vcrlagsartikcl wurden zu beiden Messen gebracht, die fastjedermann besuchte, und die Auswahl geschah, ohne daß es gestattetwar, das Geringste davon zurück zu geben. Die Versendungen außerden Messen waren daher seltener, allein, wenn sie geschahen, wurde ihrInhalt unweigerlich in die Rechnung bis zur Ostcrmessc aufgenommen."Jetzt aber hatten, nach einem Rundschreiben desselben Buchhändlers vomJahre 1823,die Messen gar keinen Einfluß mehr auf den Büchcr-vcrkchr". Nach eigener Ansicht zu wählen, kam nur noch wenigen inden Sinn.Der Verkehr geht außer den Zeiten der Messen nichtweniger lebhaft als während derselben, und die Versendung neuer Büchergeschieht jederzeit wie sie fertig werden."

Die hierin verzeichneten Bücher, nebst allen andern Werken deraltern und neucrn Litteratur sind entweder sogleich vorräthig zu sindcn,oder in der kürzesten Zeit anzuschaffen" (Katalog der Neuigkeiten von1821; Joh. Friedr. Lcich, Leipzig 1822): ähnliche Notizen fanden sichschon lange vorher im 18. Jahrhundert. Jetzt war aber dabei dasKonditionssystem allgemeiner geworden, sodaß nach dieser Seite der per-sönliche Mcßbcsuch in demselben Maße entbehrlicher erscheinen konntewie schon im 18. Jahrhundert für den inncrn Verkehr des GebietesderRcichsbuchhändlcrhandlungsart". Der deutsche Buchhandel, sagtdie SchriftDer Buchhändler" (1825), hat sichseit einiger Zeitbedeutend verändert uud, wie es scheint, nicht immer zu seinem Vor-teile". 'Nicht zu seinem Vorteile: der Verfasser denkt dabei an den Ver-leger. Früher kam die Hauptmasse der Bücher zur Ostcrmcssc nachLeipzig , und die Buchhändler entnahmen hier ihren Bedarf auf festeRechnung. Jetzt sind umgekehrt fremde Bücher auf der Leipziger Ostcr-messe kaum mehr zu erblicken, und was nicht zur gangbarsten Littcraturgehört, wird auf Kondition bezogen. Begreiflich, daß sich nun viele dieMcßreise deshalb ersparen. Als Ort uud Zeir persönlichen Bücher-hnndcls mußte die Ostermcsse also jedenfalls früher oder später ebensodahinschwinden wie die MichacliSmcssc.