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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Bedeutung der persöulichcu Zusammenkunft.

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jetzt die auswärtigen Rechnungen in 5 6 Tagen beseitigt werden."Nach dem Abschluß wurde gezahlt und auf Grnnd der Novitätenlisten be-stellt. Dann kam, um wieder mit Perthes zu reden, derSturm auf dieLeipziger Collegen". Das Lästigste und Zeitraubendste war dabei dieAbrechnung bei den Kommissionären, weil man hier gewöhnlich das Ab-rechnen mehrerer Vormänner abwarten mußte. Endlich folgte auf dieMcßgeschüfte selbst noch die saure Arbeit der Inventur des LeipzigerLagers, das damals noch viel vollständiger zu sein pflegte als später.

Aber die Abrechnung war dazu die persönliche Anwesenheit un-erläßlich? Drei bis vier Wochen Aufenthalt, eine Stubenmietc von12 bis 20 Thalern, ein oder zwei Markthclfcr für 12 bis 18 Thaler,täglich etwa ^ Louisdor Kost, und das alles nur um die Rechnungabzuschließen was doch ebensogut von Hause geschehen könnte?! ruftein alter Buchhändler im Jahre 1821 aus.°

Und doch war es gerade einAuswärtiger", in dem sich die Rich-tung verkörperte, die den Folgen solcher Tendenzen mit vollem Bewußt-sein entgegenwirkte. Die hohe Bedeutung eines einheitlichen Centrumsinnerhalb eines reich verzweigten Körpers der Produktion und des Ver-triebs: diese ist, wie schon im 18. Jahrhundert, so auch damals vonBuchhändlern und Gelehrten wiederholt kräftig ausgesprochen und aus-führlich dargelegt worden; allein deshalb war doch die Frage, ob solcher Vor-zug deutscher Organisation für immer mit der Umständlichkeit persönlicherBerührung erkauft werden müsse. Perthes aber rief im Jahre 1824gerade angesichts derVeränderung und Verringerung" des Meßbesuchsdazu auf, ihn um so mehr zu erhalten und um so angelegentlicher zuPflegen. Weit über die unmittelbare Abwickelung von Geschüft und Ab-rechnung hinaus, so redet sein Februar-Cirkular den deutschen Buchhandelan, erfüllt der Mcßbesuch Zwecke und Absichten, auf denen das Ganzeder Organisation des deutschen Buchhandels beruht. In Gcschäftsbesreun-dung, wechselseitigem Zutrauen, billigem Nachgebe», im Erkennen dessen,was einer vom andern zu erwarten hat, im Austausch von Gedanken,Meinungen, Plänen, im Erfahren der besondern Lage des andern inseiner Provinz, zu seinem Publikum u. s. w. besteht die am StapelortLeipzig verkettete innere Gliederung des deutschen Buchhandels, und nurdurch persönliche Zusammenkunft, freundschaftliches Wiedersehen alter undneuer Bekannter kann sie erlangt und bewirkt werdend Er hätte so