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Pläne, die manchem für die festere Verknüpfung der buchhändlerischenFäden in der Leipziger Centrale bedenklich erscheinen konnten. Sic sindoben bei den Umständen, die zu einer gewissen Lockerung des Zusam-menhalts am Leipziger Platze zu führen scheinen konnten, nicht erwähntworden, weil eine solche Befürchtung in der That nicht begründet undjene Bewegung für die Grundzügc der EntWickelung der buchhändlcrischenOrganisation nicht von Bedeutung war; hier aber führt sie auf diePersönlichkeit, die in jener Wendung in der Geschichte des Vereins derdeutschen Buchhändler die Führung übernahm, den Nürnberger Buch-händler und Magistratsrat Dr. Friedrich Campe.
Zu Judikate 1821 lief auf der Leipziger Messe das Gerücht um:die Süddeutschen wollten die Leipziger Messe künftig ganz meiden undeine eigene Buchhändlermcsse gründen. Die sächsische Meßrclation be-merkte beruhigend, der Inhalt des Gerüchts sei offenbar nur ersonnen.Das war aber doch nicht der Fall, und die bayrische Regierung selbstscheint an dem Projekte ziemlich lebhaft interessiert gewesen zu sein;denn in? Jahre 1822 fanden unter Genehmigung des Kgl. bayrischenMinisteriums zwischen dem Generalsekretär von Schlichtcgroll und denNürubcrgischcn Buchhändlern über den Plan der Begründung einessüddeutschen Centralbuchhandcls in Nürnberg Unterhandlungen statt, beidenen die Buchhändler ihrerseits Bedingungen stellten (die Aufhebungdes bayrischen Schulbüchcrvcrlags). Schlichtegroll hatte den Plan einerneuen Einrichtung des Buchhandels entworfen; die Buchhändler wurdenzu seiner Begutachtung aufgefordert. Dieses Gutachten datiert vom22. Januar 1823, wurde von Friedrich Campe verfaßt und der Kgl.Regierung iu Nürnberg eingereicht. Folgendes sind seine Grundgedanken.Süddcutschlaud besitzt keinen allgemeinen Stapel-, Lager- und Speditions-plntz; Leipzig ist als Centralplatz für Nord- und Süddeutschland zugleichwegen der weiten Entfernung von Süddcutschlaud unzureichend; istdiese „nachthciligc Absonderung im Geschäftsbetriebe der Süddeutschen-oder sogenannten Reichs-Buchhändler" allerdings auch die buchhänd-lcrischc Wirkung der allgemeinem Trennung in cin nördliches und süd-liches Deutschland , so wird diese dadurch doch noch verschärft, und esmuß, besonders nachdem seit einem Vicrteljahrhundert die Littcratur iuSüddcutschland große Fortschritte gemacht hat, „das gefühlte Bedürfnis)einer Vereinigung ihrer sdcr süddeutschen Buchhändlers Interessen" be-
Geschichte des Deutschen Buchhandels. IV. 11