Gründung des Börsenvereins.
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Nürnberg als allgemeinen süddeutschen Speditionsplatz in die Lage setzenwürde, dem Nachdruck im Süden ebenso entgegenzuwirken, wie Leipzig im Norden. ^
In dem Aussatz Campes heißt es, man habe sich aus Sachsenschon einiger beifälliger Äußerungen zu erfreuen; in Leipzig wurde um-gekehrt erzählt, das Projekt finde wegen der nachteiligen Trennungdes Gesamtbuchhandels sogar bei den meisten süddeutschen Verlegernkeinen Anklang. In der Richtung auf die feste Gründung eines all-gemein-deutschen Buchhändlerparlamcnts bewegten sich die Nürnberger Absichten in der That jedenfalls nicht; sie gingen vielmehr dahin, denBesuch Leipzigs seitens der Süddeutschen aufzuheben und auf der höhernStufe schriftlichen Fernverkehrs zu einem Zustande zurückzukehren, wieer etwa zur Zeit der Doppclherrschaft der Frankfurter und Leipziger Büchermessc bestanden hatte. Aussichtsrcich waren sie nicht; keinerunserer großen Hauptkommissionsplätze ist auf solche, an die Theorievom Staatsvcrtrag erinnernde Weise entstanden.
Inzwischen hatte man nun in Leipzig die Schwelle betreten, überdie der Schritt in den organisch aus dein geschichtlichen Institut derBuchhündlcrbörse zu entwickelnden gesamtdeutschen Buchhündlervcrein ge-than werden sollte. Das brachte im Geiste Friedrich Campes einenraschen und vollständigen Umschwung hervor. Der am 16. Mai 1824in Aussicht gestellte Börsenordnung-Entwurf, zu dem Ideen binnenvierzehn Tagen eingeliefert werden sollten, und der binnen drei Monatengedruckt und moniert werden sollte, kam nicht zu Stande. FriedrichPerthes war besorgt, daß „Breite, Zerstreutheit und Eigensinn, derwohl ab und zu in Mitten des Leipziger Vorstandes walte", einerweitern Ausführung im Wege stehe. Mit der „Breite" und dem„Eigensinn" scheint auf Kummer hingedeutet zu sein; denn „nur Sieund Herr Barth vereinigt können zu einem ersprießlichen Ziele hin-lciten", fügte Perthes in seinem Schreiben an den Leipziger SyndikusDr. Günther vom 3. Oktober 1824 hinzu. Der Gedanke an dieVorherrschaft eines breiten, zerstreuenden und eigensinnigen Leipziger-tums in einer Organisation, die ihrer endlichen Bildung so nahewar, war aber mehr als einem Auswärtigen unbequem und störend.Die Auswärtigen waren es, die der Börse bedurften; die Auswärtigenwaren es, die sie begründet hatten; die Auswärtigen waren es, deren
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