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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Preußische Schutzverträge. Nachdrucksvcrbot in Österreich . 167

staatlicher Vereinbarung, damals zunächst für Norddcutschland, vorge-schlagen, und seine Beschreitung war von Sachsen, Preußen und Hannover wirklich in Erwägung gezogen worden. So schwierig sich damals dasReich gezeigt hatte, so schwerfällig war jetzt der Bund. Und da ging dennPreußen nun in der Thcit auch hier selbständig vor und schloß, nachdem dieVerhandlungen am Bundestage vier volle Jahre ganz geruht hatten, inden Jahren 18271829 mit 31 deutschen Staaten Litterarverträge ab,durch die den Angehörigen jedes dieser Staaten in den Vertragsstaatendie Rechte der Einheimischen gewährt wurden. Österreich und Württemberg befanden sich nicht dabei; aber es war ein besonders wertvoller Erfolgder preußischen Konventionen, daß dem Drucke solcher Vorgänge der Nach-druck nun dennoch auch in Österreich , das dann in jähem und entschlossenemUmschlag in einem Zeiträume von etwa drei Jahrfünften bis zur bestenRechtöschutzgesctzgebung in Deutschland voraneiltc, weichen mußte. Die Ent-schädiguugsreklamation eines preußischen Autors wegen eines Wiener Nach-drucks seiner Werke führte zu dem Befehl des Kaisers, 16. September 1828,ihm die Anzeige über den Stand der Nachdrucksvcrhaudluugen beim Bundeund über die Weisungen des Staatskanzlers und des Polizeipräsidenten anden BundcstagSgcsnndteu vorzulegen und Auskunft zu erstatten über diedermalen in Österreich bestehenden Nachdrucksgesctze; und im Dezember1828 ließ Metternich (in einer Note an den Polizeipräsidenten Scdlnitzky)verlautcu, daß Österreich ohne unliebsames Aufsehen nun nicht wohllänger werde zurückstehen können. Am 20. August 1829 brachte Preußen beim Bunde den Antrag ein: das, was der Staat Preußen mitdeutschen Einzelstaatcn vereinbart habe, durch BundcSbeschluß zu einemVertrage jedes Einzelstaatcs mit sämtlichen übrigen Einzelstaaten zu er-'heben, sodaß mit einem Schlage in jeden? deutschen Einzelstaatc die Rechteder eigenen Unterthancn für die Unterthanen des ganzen Bundesgebietsgälten. Etwa gleichzeitig reichten in Österreich 29 der 30 Wiener Sortimentsbuchhcindlcr dem Kaiser eine Erklärung eiu, in der sie, aus-gehend von dem nunmehr bedeutenden Stande der österreichischen Litte-ratur und des inländischen Aktivhandels und von deren Gefährdungdurch die ausländische, sogar vereinsmäßig geübte Retorsion gegen öster-reichischen Nachdruck, durch den schlechten, unkorrekten und verstümmeltenDruck der österreichischen Nachdrucke und durch die Möglichkeit bessernKredits im Ausland, um Abstellung des bisher in Österreich geduldeten