Bau der Buchhändlerbörse.
195
„Möge den Herren Unternehmern des Baues das Anerkenntnißihrer Bemühungen von Seiten der Zeitgenossen, eben so wie der Dankder Nachkommen für immer gesichert sein."
Der Vorsteher des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler selbst,Theodor Enslin aus Berlin , gab dem Grundstein mit folgenden kurzenSprüchen seine Weihe:
Die Weisheit leite und vollende,Die Schönheit schmücke und ziere,Die Stärke befestige und erhalte!
Und was für ein schönes und geschichtlich denkwürdiges Zusammen-treffen in dem Vorgange: daß, nachdem Hammerschläge und festlicheWorte verklungen waren, der Vorstand des Börsenvereins dem Vertreterdes Regenten den soeben vom Börsenverein vollendeten „Entwurf zueinem Regulativ für den literarischen Rechtszustand" überreichte.
Am 25. Februar 1835 verschied Paul Gotthelf Kummer : derMann, der in dem Jahre seine Lehrzeit angetreten hatte, als PhilippErasmus Reich von der Frankfurter Messe Abschied nahm, und der sichauf der Höhe des Reichschen Zeitalters etabliert hatte. Es war, alswenn in ihm, der einst, mehr als vier Jahrzehnte zurück, das ersteAbrcchnungslokal auf dem deutschen Büchermcßplatz ins Leben ge-rufen hatte, eine ganze, nun überholte Zeit ihre Augen schlösse: einealte Zeit persönlich-patriarchalischen Zuschnitts, die sich in dein knorrigenBiedermann, der seine Lehrjungen zur Bücherleiter und seine Markt-helfer, wenn sie Rechnungslisten unrichtig gebrochen präsentierten, zurTreppe hinunterwarf, wie in keinem andern verkörpert. Die General-versammlung des Jahres 1835 rief ihm durch deu Mund TheodorEnslins den Schcidegruß nach; und als die Tage der nächsten General-versammlung kamen, da wurde, am 26. April 1836, des Hauses Weihevollzogen, wobei der Kreisdirektor, spätere — auch um den deutschen Buch-handel so verdiente — Minister von Falkenstein die Worte sprach: „Und inder Geschichte des Buchhandels wird eine neue Ära anheben mit der Über-schrift in goldenen Buchstaben: Die Deutsche Buchhändlerbörse in Leipzig ".
Hören wir einige Sätze aus der Weiherede des Vorstehers, Theodor
Enslins. „Es gibt eine falsche Fortbildung, oder vielmehr nicht jedes
Fortschreiten ist auch ein Fortbilden; vor einem solchen Abwege möge
uns Gott der Herr gnädig bewahren. . . Es wird aber auch nicht mög-
13»