200 6. Kapitel: Büchermarkt und Buchgewerbe 1814—1840.
beiden Seiten in der Stunde steigerte — der leichte und ruhige Gangder Maschine gestattete sogar den Druck von 1800 Bogen, wenn esmöglich war, sie anzulegen —, und in dessen Geiste, als er starb,die Ideen der Zweifarben- und der Rotationsmaschine vollendet waren,Ideen, von denen jene erst drei Jahrzehnte nach seinem Tode neu er-funden wurde, diese erst vier Jahrzehnte nach seinem Tode über denOcean zu uns kommen sollte? Daß Aloys Senefclder in einem har-ten und entbehrungsreichen Leben alle die wichtigsten Behandlungsartenseiner großen Erfindung selbst durchbildete: die einfache Steinzeichnung,die Aquatinta- und die gespritzte Manier, den Ton- und den Farben-druck? Und welche denkwürdigen Gestalten damals auf der Bühne derBuchhandelsgeschichte. Von den Wänden des großen Saales des Deut-schen Buchhändlerhauses zu Leipzig sehen heute die Bildnisse von siebzehnBuchhändlern herab, deren aller Wirken, mit Ausnahme desjenigen vonPhilipp Erasmus Reich , hauptsächlich oder ganz dem 19. Jahrhundert an-gehörte, und unter diesen ist keiner, der nicht damals unter den Lebendengeweilt hätte, fast keiner, der damals nicht schon der Jugend entwachsengewesen wäre, und fast alle haben damals als Männer des mittlerenoder reiferen Alters in der Zeit des Wirkens gestanden. Da sindFriedrich Arnold Brockhaus und Georg Joachim Göschen , die in denzwanziger Jahren starben, Johann Friedrich Cotta , Hans Friedrich Vie-wcg, Carl Christoph Traugott Tauchnitz , die in den dreißiger Jahrenverschieden, Georg Andreas Reimer und Friedrich Christoph Perthes ,die noch die ersten vierziger Jahre erlebten. Theodor Enslin , der dasJahr 1848 überlebte, Georg Friedrich Fleischer und Carl FriedrichWilhelm Dunker, die die Errichtung des Norddeutschen Bundes, HeinrichBrockhaus und Friedrich Johannes Frommann, die die Wiederaufrichtungdes Deutschen Reiches noch erlebten, standen damals schon in der Zeitdes Wirkens. Göschen wurde noch vor dem Siebenjährigen Kriege ge-boren (1752), Frommann starb auf der Höhe des Bismarckschen Zeit-alters (1886). So weit sind Wurzel und Wipfel der Lebensbäumevon einander entfernt, in deren Kronen in den zwanziger und dreißigerJahren der Hauch des Lebens spielte.
Die zwanziger Jahre erscheinen in Schilderungen, die von derHöhe der vierziger auf sie zurücksahen, noch recht als gute alte Zeit.