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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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6. Kapitel: Büchermarkt und Buchgewerbe 1314—1840,

von der die Nachdrucks- und Sammelausgaben schon vor 1820 Zeugnisablegten. Göschen begann (1817, 1822) statt der teuern Prachtaus-gaben, die ihm schwer im Magen lagen, mit billigern Ausgaben vonWieland, Klopstock u. s. w. , die lebhaften Absatz fanden; Cotta brachte1822 seine wohlfeile Schillerausgabe heraus und setzte in wenigen Jahrenein halbes Hunderttausend davon ab, wiewohl man bald sagte, daß erdabei zugleich durch die Verbindung barer Vorausbezahlung mit lang-samer Lieferung das Publikum nach dieser Richtung hin kopfscheu ge-macht habe. Geschichtlich bemerkenswerter aber sind damalige Erschei-nungen der ins Große gehenden und unmittelbar auf die breite Masseabzielenden Spekulation mit Litteratur vorzugsweise klassischen Charakters,deren typische Vertreter Gottlob Franckh und Joseph Meyer waren.

Franckh saß in Stuttgart. Cotta, Mücken, Franckh! Cotta hier, dasHaupt der Monopolisten; hier und in den kleinern Städten des Landesdie Nachdrucker alten Stils; und hier in Stuttgart typische Erscheinungender gleichsam aus der Hülle des Nachdrucks sich herausschälenden Unter-nehmcrthätigkeit, die beides, Monopol und Nachdruck, zu ersetzen hatte.In einem Staate alles dies, der sich bewußt von anderwärts so vielfachherrschenden einengenden Verordnungen, Vorschriften und Reglementsfernhielt. Im Jahre 1822 wurde das Sortiments- und Verlagsgeschäftder Gebrüder Franckh gegründet. Hauffs „Memoiren des Satans"waren einer ihrer ersten Artikel. Dann aber warf Gottlob FranckhScotts Romane als Massenartikel, in einer billigen Volksausgabe, dasBändchen (von 8 Bogen) zu 2^2 Silbergroschen auf den Markt, miteinem Erfolg, der im Buchhandel allgemeines Aufsehen erregte, im Ver-lag, zunächst im süddeutschen, die Produktion zahlloser billiger Roman-sammlungen, Klassikerausgaben u. s. w. hervorrief.

Die von Gottlob Franckh nach der Trennung von seinem BruderFriedrich allein geführte „Franckhsche Verlagshandlung" besteht, im Geistedes Gründers fortgeführt, noch heute; der andere der beiden bezeich-nendsten Unternehmer dieser Richtung in damaliger Zeit, der GothaerSchuhmacherssohn Carl Joseph Meyer , geboren 1796, war der Begründerdes heutigen Leipziger Bibliographischen Instituts. Als Shakespeare-Über-setzer (Gotha 1825, Hennings) begann er, ein mittelloser Skribent undursprünglich Kaufmann, nach einem Aufenthalte in London seine genialeLaufbahn. So wenig genügend Meyers Übersetzung litterarisch auch war,