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6. Kapitel: Büchermarkt und Buchgewerbe 1814—1L40.
Deutschland galten, begleitet und umstrickt von den Verwünschungen undlangwierigen Prozessen, die allen voran Cotta gegen den Mann führte,der erklärte, daß dem Volke seine größten Dichter nicht länger vorent-halten bleiben dürften, daß Goethe und Schiller Eigentum nicht einigerihrer Nachkommen und einer Buchhandlung seien, die nach Beliebenhohe Preise fordern dürfe, sondern Eigentum der Nation, und der nachdiesem Grundsatz handelte wie keiner vor ihm, entfaltete er eine fabrik-mäßige Verlagsthätigkeit ohne gleichen, und mit der Art, wie er seine —wie die Zeitgenossen sagten: spät oder nie vollständig werdenden — bil-ligen Lieferungswerke durch eigene Kolporteure an den Mann bringenließ, schien er den ganzen alten Buchhandel umzustürzen. In Hundert-tausenden von Exemplaren wurde Meyers Miniatur-, Kabinett-, Hand-und Quartausgabe der deutschen Klassiker in ganz Deutschland verbreitet.Vier Jahre schon nach der Gründung, im Jahre 1830, war die MeyerscheOffizin nach Eotta in Stuttgart, Decker in Berlin , Teubner und Brock-haus in Leipzig die größte in Deutschland . Sie umfaßte vier Abtei-lungen: eine bibliographische, eine artistisch-geographische, eine Werkstättefür Maschinenbau und eine Farbenfabrik. In der bibliographischen Ab-teilung arbeiteten 34 Setzer und Drucker an 15 Pressen, unter denensich neben den neuesten Eisenpressen — nach englischem Muster im In-stitut selbst gebaut — eine große Schnclldruckmaschinc befand; die artistisch-geographische Abteilung beschäftigte in ihrem Kllnstlerteil 16 Kupfer-,Stahl- und Steinstecher und I Zeichner, im technischen Teil (Vignetten-guß, Stahl-, Kupfer- und Stcindruckerci) an neun Pressen 12 Drucker;in der Farbenfabrik wurden von 4 Personen alle Arten von Lithographie-und Buchdruckfarben hergestellt. Die bibliographische Abteilung verarbeitetewöchentlich 100 Ries Velinpapier in Großformat, in der Buchbindereilieferten 28 Mann monatlich ca. 45000 Bände und Broschüren, dieartistisch-geographische Abteilung stellte monatlich 40000 Blätter, Porträts,Karten und historische Sujets fertig. Das Gesamtpersonal belief sichauf 190 Köpfe. Der monatliche Versand betrug 12000 fl.
Das Brockhaussche Konversationslexikon hatte seine vollendete Gestaltim zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erhalten, Meyers Biblio-graphisches Institut wurde im dritten Jahrzehnt gegründet. Das vierteJahrzehnt brachte entwicklungsgeschichtlich besonders bedeutsame Erschei-nungen auf dem Gebiete der periodischen Presse. Weniger auf dem der