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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Zeitimgspresse.

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Zcitungslitteratur, obgleich, wie sehr das deutsche Zeitungswesen nachdem Emporstreben in und nach den Jahren der Befreiung seit den Karls-bader Beschlüssen niedergehalten wurde auf einer Stufe, die im allgemei-nen die einer ärmlichen Oberflächlichkeit und leichtwertigcn Unterhaltungwar, auch hier die schöpferische Kühnheit des deutschen Verlegers und geradehier der Geist der kommenden Julirevolution schon in den zwanzigerJahren sich unmöglich unbezeugt lassen konnten. Freilich war das Er-scheinen eines Journals von politischem Charakter mit so nachdrücklichliberaler Tendenz wie der von Friedrich Arnold Brockhaus geschaffeneHermes" (18191831) eine Ausnahme, und preßgesetzliche Änderungen,die solche freiere Behandlung der Tagcsfragen von Ausucihmen auf deinGebiete des Journalwesens zur Regel auf dem des Journal- undZcitungswesens gemacht Hütten, brachte auch das Jahr 1830 nicht.Allerdings ließ damals Bayern die Zügel locker, versprach Hessen , er-teilten Baden und Hannover Prcßfrciheit; in den badischen Kammernwurde die bundesgesetzliche Aufhebung der Censur gefordert und sprachWelcker das erste freie Wort in Deutschland ; und überall in den deutschenLanden, hier mehr dort weniger, hier auf Grund ausdrücklicher Zusagender Regierungen, da mit stillschweigend-halber Zulassung, dort allerUnterdrückung zum Trotz, schäumte die periodische Presse höher auf inden Wellen und Wogen moderner staatlich-gesellschaftlicher Ideen. Aberdas Nachlassen der Zügel war weder allgemein noch dauernd. Weitentfernt, Bahnen wie die von den badischen Kammern gewiesenen zubeschreiten, zog der Bund die Zügel der sich bäumenden politischen perio-dischen Presse nur straffer an; schon im Oktober 1830 und November1831 schärfte der Bund strengste Censur der Nachrichten nicht nur über dierevolutionären Bewegungen des, Auslands, sondern auch über alle innernVerhältnisse ein, und vom 19. November 1831 an begann sein unmittel-bares Eingreifen in die Einzclstaaten: bis zum Ende des Jahres 1833wurden neben dem von Joseph Meyer in Hildburghausen selbst redigiertenVolksfreund", der ZwickauerBiene" und derSachsen-Zeitung" neunsüddeutsche Zeitungen vom Bunde unterdrückt, und die Bundesbeschlllssevom 28. Juni und 5. Juli'1832, die Antworten auf das HambachcrFest, vernichteten die Preßfreihcit in Baden. Es war der einzige Staat,bei dem der Bund ein solches Eingreifen nötig hatte. Denn wenn auchz. B. in Bayern die Censurvcrordnnng vom 28. Januar 1831, die