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6. Kapitel: Büchermarkt und Buchgewerbe 1814—1840.
und wird sic behalten, so lange er im Bunde mit jener steht; er wirdsie aber verlieren und trotz des ehrenhaften Zweckes einzelner volks-thümlicher Unternehmungen zum Eolporteur-Geschäft herabfallen, wenner . . Encyklopädien und populäre Zeitschriften als hinlänglichen Ersatzfür wissenschaftliche und classische Werke dem höher gebildeten Publi-kum . . je anbieten könnte."
Von Vorläufern angekündigt, von Erscheinungen gleicher und ver-wandter Art umgeben, von gleich- und ähnlichgearteten Unternehmungengefolgt, die sie ihrerseits verstärkten und beschleunigten, zeigen so Kon-versationslexikon, Bibliographisches Institut und Pfennigmagazin in sichzusammengedrängt die wesentlichen Züge, die der im zweiten Jahrzehntsich neu entwickelnden, in den zwanziger Jahren sich steigernden und inden dreißiger zu einer den Zeitgenossen beängstigend erscheinenden Höhegetriebenen Bewegung im deutschen Büchergewerbe des Vierteljahrhundcrtsvon 1814 bis 1840 cntwickclungsgcschichtlich eigentümlich waren. Ge-schaffen von Männern genialer Organisationskraft, hervorragender kauf-männischer Beanlagung und rastlosen Fleißes, die, die neuesten undleistungsfähigsten Mittel ergreifend, die verschiedenen Gebiete des geistigenSchaffens, der technischen Bewältigung und des händlerischen Vertriebswie kaum je zuvor in eins zusammenzwangcn, vereinigen sie sich zu demBilde einer lebhafteren und eindringenderen Regsamkeit im Banne immerweiterer Kreise, sich offenbarend nach den Richtungen des littcrarischenStoffes, der Herstellung, des Vertriebs, in steigender Zusammen-ballung der verschiedenartigen Kräfte und Mittel. Steigerung der buch-gewerblichen Eigcnkraft, gesteigerter Eigentrieb buchgewcrblichen Unter-nehmens war Blut und Nerv dieses Wachstums. Im Börsenblatt1834 stand zu lesen, daß der Buchhändler in jüngster Zeit vielleichtgrößern Einfluß auf Gestaltung und Fortschritte der Litteratur gehabthabe als der Gelehrte, und wann hatte man vordem ein so keckesWort sprechen hören wie das von Friedrich Arnold Brockhaus : „Ichbin glücklich genug sagen zu können, daß die deutsche Litteratur ehermeiner als ich ihrer bedarf"? In der Rede aber, die der Vorsteherdes Börsenvereins der Deutschen Buchhändler am Tage der großenJubelseier im Jahre 1840 in Leipzig hielt, kannte auch er, F. I. From-mann, nichts, was dem deutschen Buchhandel zuzurufen nötiger sei,