Wachstum. Spckulationsgeist.
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als die Mahnung, dic sechs Jahre vorher Perthes ausgesprochen hatte.„Der alte Buchhandel, es ist wahr, folgte mehr dem Bedürfnis), alsdaß er ihm vorangecilt wäre, es geweckt hätte, aber er diente auchfast nur guten Zwecken: bei seinem Entstehen beinahe ausschließlich derReligion, dann dem Unterrichte der Jugend, der Erörterung des Rechts. . .Wenn nun in neuerer Zeit die Litteratur mehr und mehr in alle Kreisedes Lebens eingedrungen ist, mit ihr die Thätigkeit und Ausbreitungdes Buchhandels große Fortschritte gemacht hat und zugleich der Spccu-lationsgcist unter uns reger und mächtiger geworden ist, als je zuvor,so müssen wir dies zwar als eine natürliche und an sich wohlthätigeEntWickelung anerkennen, dürfen uns aber zugleich nicht verhehlen, daßein schrankenloses Walten des Spcculationsgeistes in unserm Geschäfts-kreise verderblich wirken muß." Die Bestimmung des Buchhandels ist„nicht die Herrschaft, sondern der Dienst", und er soll dienen nicht zu-letzt „dem schöpferischen Genius".
„Daß wir unserem eigenen Gebäude den Grund nehmen würden",wie Perthes damals warnend gesagt hatte — das ernstlich zu befürchten,lag freilich kein Grund vor. Der Verlagshandel der „Wissenschaftund Idee" stand im deutschen Lande gut und fest gegründet. Die ge-schichtlich bedeutenden Vertreter des Buchhandels jener Zeit etwa sondernzu wollen in Diener der Masse und Zeit einerseits, der Wissenschaft undIdee andrerseits, das liegt hier fern. Es handelt sich um Funktionenmehr als um Personen. Es handelt sich das eine mal um das bewußteund unmittelbare Abzielen der sclbstgeplantcn Unternehmung auf diemannigfaltigsten Bedürfnisse weiter und weitester Kreise, das andere malum den Verleger vorwiegend in seiner Geschäftsverbindung mit der Weltselbstschöpfcrischcr Autoren und als Werkmeister von Unternehmungen,die nicht von raschem Absatz in breitesten Massen abhängig sind.
Zahlreichen der bezeichnendsten Vertreter jener Richtung waren dieWege vornehmen belletristischen, schweren wissenschaftlichen Originalver-lags nicht fremd. Auf der andern Seite ist nicht mir jede Verlags-übernahmc Unternehmung, sondern gibt es überhaupt keinen Verleger,der nicht mehr oder weniger Unternehmer auch im bestimmtern undcngern Sinne wäre. In den Gestalten großer Buchhändler aber kannman sich auch die also näher bestimmte buchhändlcrische Welt der „Wissen-schaft und Idee" damaliger Zeit vergegenwärtigen.