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6. Kapitel: Büchermarkt und Buchgewerbe 1814—1848.
dem Bilde der damaligen Zeit die Züge moderner Linienführung deutlicherhervor. An den Namen Karl Preuskcr knüpft sich die Erinnerung andie ersten schüchternen Versuche eiucr Erweiterung der Volksbildung;die „Ökonomische Gesellschaft" in Sachsen, die schon früher volkstümlicheSchriften zu verbreiten gesucht hatte, gründete auf seine Anregung hiuin den zwanziger Jahren Lehranstalten auf dem Lande — die freilichim wesentlichen nur landwirtschaftliche Schriften boten und nicht ge-diehen —; Preuskcr selbst nahm auch schon die Einrichtung von Wander-bibliotheken in Angriff. Auf der andern Seite zeigten sich die ersten Fälleeiner Jntercsscnfreundschaft zwischen Buchhandel und Kapital; Franckhs1836 gegründeter „Verlag der Elassikcr" war eine Kapitalistengründung.Man sagte damals, nun beginne auch in den Buchhandel die Mode ein-zugreifen, und man hatte damit in gewissem Sinne Recht. Was bis dahinals Wandel und Wechsel in der Geschichte des Büchermarktes aufgetretenwar, das war, von den natürlichen und im allgemeinen in immerkürzeren Pulsen eintretenden Veralten und Nachahmen der Bücher ab-gesehen, abhängig gewesen von den großen Wandlungen in der Geistes-und Geschmacksrichtung der Nation, und was an Mode erinnern konnte,war die „Mode" von Halbjahrhuudertcn, wie die Almanache. Jetztsah man Impulse wirken und Wellen aufsteigen, die, bei aller ursäch-lichen Beziehung zur Geschichte des Geistes, der Technik, der Bildung,sich doch als etwas zeigten, was innerhalb dieser Wandlungen seineneigenen Spielraum hatte, die viel plötzlicher auftauchten und vielrascher zu wechseln bestimmt schienen und auch wirklich bestimmt waren.Vielleicht hat, nach den in dieser Beziehung gleichsam vorbereitendenAnsängen des Taschcnbuchwcscns, zum ersten mal die Pfcnniglitteraturals buchgewerbliche Mode gewirkt. Vollends als Modcsache erscheinengewisse Formatwechscl in den deutschen Klassikcrausgaben seit Ausgangder zwanziger Jahre: zuerst herrschte das Duodez und Dezimo-Oktav derCottaschcn Schiller-Taschenausgabe von 1822, dann trat, weniger durch-schlagend, mit Ausgang der zwanziger Jahre das von Ernst FleischersLeipziger Ausgaben ausländischer Klassiker ausgehende Hochquart daneben,und gegen Ende der dreißiger Jahre wurden beide abgelöst vom „Schiller-format", d. h. vom Großsedez der neuen Cottaschen SchillerauSgabc.Und in der Vertricbsart der Bücher. Der hcftweise Vertrieb derLicferungsnnsgaben — den im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts