Baden und die Preßfreihcit zu Beginn der dreißiger Jahre. ZZZ
Nation und auch im Bewußtsein des Buchhandels nahm die Forderungder Preßfreihcit ein.
Welche Eindrücke und Erinnerungen, wenn Deutschland an demGedenktage der Erfindung des großen Werkzeugs der Gcdankenverbreitunghier Um- und Rückschau hielt!
Zehn Jahre zurück, da hatte, noch im Jahre der Julirevolution,im Dezember 1830, Karl Theodor Welcker , Professor der Rechte inFreiburg und Abgeordneter des badischcn Landtags, gleichsam als Ver-treter der Nation den Bruch mit dem faulen Frieden vollzogen, den diezwanziger Jahre mit dem Geiste von Karlsbad geschlossen hatten, indemer in einer gedruckten Petition vom Bundestage für Deutschland die„vollkommene und ganze Preßfreihcit" heischte. Die großen Märztagedes Jahres 1831 waren gekommen, in denen derselbe Welcker als eineder Spitzen des badischcn Liberalismus, was er vom Bunde vergeblichgefordert hattc, für Baden zu erringen suchte; in einem Kampfe desGeistes gegen den Buchstaben des Bundcsrechts und der Landesverfassung,dem dennoch, wie es zunächst schien, der volle Sieg werden sollte: dennwährend der Bund am 10. November 1831 den Regierungen crnentdie Befolgung der Bundescensurvorschriftcn eingeschärft hatte, trat mitdem 1. März 1832 jenes badische Preßgesetz vom 28. Dezember 1831in Kraft, das die Censur allgemein aufhob und sie nur für diejenigenZeitungen und Zeitschriften und Druckschriften unter 20 Bogen fort-bestehen ließ, welche sich mit der Verfassung und Verwaltung desDeutschen Bundes oder anderer Bundesstaaten (Baden selbst also aus-genommen) befassen würden. Es war der Zeit ein großer Tag. Daserste Landesgcsctz, das seinem Volke das freie Wort zurückgab! Welckercrhiclt dafür von einer Buchdruckcrdcputation eine Lorbccrkroue. Männeraus Baden, aus den beiden Hessen, Bayern, Frankfurt , dazu — wasnatürlich damals einer solchen Veranstaltung einen besonderen Reiz gab —Gäste aus Polen und Griechenland begingen am 1. April 1832 zuWcinhcim an der Bergstraße ein Fest, das die badischc Preßfreihcit alsden ersten Schritt zur deutschen Preßfreihcit feicrte — ja zu mehr alsder Freiheit nur der Presse: „Nicht badischc Prcßfrciheit", hieß esin einem der zahlreichen Trinksprüchc, „nicht hessische Prcßfrciheit, nichtwürttembergischc und so fort dnrch das ganze lange politische deutscheAlphabet, das bekanntlich achtunddrcißig Buchstaben hat und doch nur