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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
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238 7- Kapitel: Von dcr Säkularfeier bis zu den Märztageu (18401848),

Wunsch nach Befreiung der Presse von? Ccnsurzwange anzudeuten wagte,Karl Duncker aber im Hofe der Universität die neue Buchdruckerfahnemit den Worten weihte: daß sie unantastbar bleibe gegen jede Gewaltund eine Schutzwehr gegen Mißbrauch und Frechheit".

Am glänzendsten hoben sich aus solchen Verhältnissen die Jahr-hundertfeiern zweier Städte heraus, dcr beiden Hauptstädte des deutschenBuchhandels: Leipzigs und Stuttgarts ; das vor allen andern warendie beiden Veranstaltungen, in denen, was unser voriges Kapitel vondcr Bedeutung jener Jahrhundertfeier sagte, offen zum Ausdruckkam. Allerdings, die dreitägige Feier in Leipzig , in all der eindrucks-vollen Größe ihrer feierlichen Empfänge der auswärtigen Abordnungen,ihrer Reveillcn, Fcstgottcsdienste, ihres glänzenden Festzugs, der großenFeier auf dem Markte mit der Festrede des jungen Raymund Härtelund dem Festmahl in einer gegen 3000 Personen fassenden Festhalleauf dem Augustusplatz, war dadurch beeinträchtigt, daß das Festkomiteedie Teilnahme der Litteraten bei dem Feste abgelehnt hatte, und daßin den Mauern dcr Universität Lroüotrsäus Hsrmannus im Gegen-satz zu der vom philanthropischen Geiste des 18. Jahrhunderts getragenenAnsprache des Professors Gottsched im Jahre 1740 in sormvollcndcterlateinischer Rede ausführte, wie wenig doch eigentlich der Gelehrte mitdieser Feier zu thun habe, ja wie abträglich die Erfindung der Buch-druckerkunst und ihre Folgen, wie sie sich gerade in neuerer und neuesterZeit zeigten, dem Geiste und den Interessen dcr wahren Buch- undStubengclchrsamkcit uud ihrer Vertreter seien. Die Mitglieder der Uni-versität hätten weder zur Vervollkommnung der Erfindung, die eine rechtleichte Sache gewesen sei, etwas beigetragen, noch Geld dadurch verdient:sei doch infolge der Erfindung der Buchdruckerkunst das Monopol derGelehrsamkeit und damit auch Ansehen und Einnahme nicht mehr vomEinzelnen zu genießen. Die Censur aber wurde vou dieser unfrohcnJubelrede eines klassischen Philologen für eine weise Einrichtung unddas beste und einzige Mittel zur Zügelung der Schriftsteller erklärt;wenn der Staat die Censur aufheben wollte, so würde das ebensosein,wie wenn jemand demjenigen, welcher einen Mord zu begehenBefehl erhalten habe, das Messer zu entreißen Bedenken tragenwollte, um erst nach vollbrachter That den Voltbringer und den An-stifter zu strafen". Aber wurden die Stuttgarter Festtage, begangen