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mit ähnlicher Pracht wie in Leipzig , in viel höherem Maße zu einemeigentlichen Volksfeste, so war es in Leipzig , wo eine neue Buch-druckersahne dem Oberältcstcn der Innung mit den Worten überreichtwurde: „daß sie wehe von Jahrhundert zu Jahrhundert als Palladiumder Freiheit des Geistes"; und das Hoch, das beim Festmahl in Leipzig ,dem Herzen des bibliopolischen Deutschlands, Heinrich Brockhaus auf dieMänner ausbrachte, die für die Freiheit der Presse gekämpft hätten undnoch kämpfen würden, wurde im Geiste aufgenommen von den Gebildetenganz Deutschlands .
Frohe und schöne Volksfeste auch in so manchen andern deutschen Städten, z. B. in Koblenz, oder in sächsischen Orten wie Plauen , undmanches freie Wort, so in Danzig, Braunschwcig, Hamburg , oder inBasel , wo es in einem aus offenem Platze durch die Presse verviel-fältigten und unter die Menge verteilten Trinkspruch auf die Regierunghieß: je treuer eine Regierung an der Verfassung halte, desto wenigerkönne ihr ein Verfasser etwas anhaben; je mehr sie am Gesetze halte,desto weniger brauche sie sich darum zu ängstigen, was für Buchstabengesetzt würden; je weniger Druck sie ausübe, desto weniger habe sie denDruck zu fürchten usw.; und ob mau wollte oder nicht: mit ihren großenFesttagen vor allem in Leipzig , mit ihren zahlreichen festlichen Veran-staltungen in Städten, in denen die Forderungen der Zeit zu öffent-lichem Ausdruck kamen, und mit der Feier im ganzen wurde sie dennochzu einer großen und allgemeinen Protcstation deutschen Geistes undBuchhandels. Der Druck aber, der aus der großen Feier lag, dieganzen Verbote hier, die halben dort, die Vorbereitungen und die Ver-zichte, der frei hinaushallende Ruf hier und der gedämpfte oder ganzerstickte dort — das beleuchtet die eigentümlichen Verhältnisse jener Jahr-zehnte gerade ans diesem Gebiete: des, verfassungsmäßig zerrissenen, auf-reibenden und aufreizenden Hin und Her der patriarchalisch-bevor-mundenden Tendenzen der Regierungen und der modern-liberalen Tendenzender Nation, die aufs ärgste chikanicrt und durch vielfach sogar die eigenePraxis überbietende Neglementiernng immer mehr verbittert und in ihremBorwärtSdrüngen doch nicht mehr aufgehalten werden konnte. Einefreiere Bewegung auf dem Gebiete der Preßfreihcit schienen aber geradedamals besondere Umstände einleiten zu wollen. Einmal ergaben sichdamals äußere Verhältnisse, die eö rätlich erscheinen ließen, dem erwachcudcn