258 7- Kapitel: Von der Säkularfeier bis zu den Märztagcn (1340—1848).
in der Kabinettsordre vom 4. Februar 1843, die — zugleich die Censnr-frciheit der bildlichen Darstellungen aufhebend — aus seine schwungvollenVerheißungen in den ersten vierziger Jahren paßte wie die Faust aufsAuge, König Friedrich Wilhelm IV. : „Was ich unabänderlich will, ist:die Wissenschaft und die Literatur von jeder sie hemmenden Fessel be-freien und ihr dadurch den vollen Einfluß auf das geistige Leben derNation sichern; was ich nicht will, ist: die Auflosung der Wissenschaftund Literatur in Zcitungsschrciberei."
„Das Jahr 1842", sagte Mathy 1843 in der Zweiten BadischcnKammer mit Bezug zunächst auf die badische Presse, „fand unsere Presseso ziemlich auf demselben Flecke, wo das Jahr 1839 sie gelassen hatte."Das Jahr 1843 vernichtete die „Deutschen Jahrbücher" (die früheren„Hallischen Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst") — „sollenwir nicht lieber Champagner trinken und die Narren auslachen, als unsxic> xg-trig, kasteien und verfolgen lassen?" schrieb ihr Verleger OttoWigand in Leipzig an den Herausgeber Arnold Rüge —, die „LeipzigerAllgemeine Zeitung" und die „Rheinische Zeitung" (Köln ), die bestevielleicht damals in Deutschland , wertvoller selbst als die „AugsburgcrAllgemeine", ein Blatt von vollendeter Vornehmheit, dessen Vernichtungmit dem stärksten Unwillen aufgenommen wurde. „Nun hat das Gewittereingeschlagen", schrieb Perthes; „es wird weiter ziehen und sich entladen."
Es zog weiter und zerstörte noch manches andere Zeitungsunter-nehmen, sei es, daß es von vernichtendem Strahle getroffen wurde,sei es, daß der Hagel ihm die Fenster einschlug, der Sturm ihm dasDach abdeckte, Regengüsse ihm den Boden unterwuschen, bis Heraus-geber und Verleger selbst das baufällige Haus verließen: die „Lokomotive,Volksblatt für tagesgcschichtliche Unterhaltung" in Leipzig (verlegt vonReclam Mn.), den „Wandelstern" in Grimma (redigiert von Ernst Keil ,dem Begründer der „Gartenlaube"), die „Sonne" in Chemnitz , die„Hamburgische Neue Zeitung". Kein Wunder in einer Zeit, in derdie Censur sich zu Grundsätzen bekannte, wie wir uns deren aus derZeitungsgcschichte des 17. Jahrhunderts entsinnen; die Zeitung, so wurde1843 der „Magdeburgischen Zeitung" eröffnet, sei nur dazu da, politischeNeuigkeiten zu bringen; nicht veröffentlichen aber dürfe sie politischeRaisonncmcnts und Kritiken, die doch für einen großen, zum Teil un-gebildeten Leserkreis bestimmt seien.