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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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272 Kapitel: Von der Säkularfeier bis zu den Märztagen (18401848).

Kritiker. Er hatte zu unterscheiden, ob der Gegenstand seiner Censur-thätigkeit seinem Gehalt und seiner Behandlung nachnur für Gelehrteund den Wissenschaften sich widmende Menschen" bestimmt war oder zudenBroschüren, Volksschriften, Unterhaltungsbüchern und den Erzeug-nissen des Witzes" gehörte. Erkannte er die Schrift als eine gelehrte,so hatte er zu unterscheiden, ob sie in die Klasse derjenigen Schriftengehörte, welche sichdurch neue Entdeckungen, durch eine bündige und licht-volle Darstellung, durch die Auffindung neuer Ansichten u. s. w." aus-zeichneten, oder in diejenige dersaft- und marklosen Kompilationen undWiederholungen des hundertmal Gesagten u. dgl.". Ein gelehrtes Werkder ersten Klasse (§ 4) hatte der Censormit der größten Nachsicht"zu behandeln, ein gelehrtes Werk zweiter Klasseohne Nachsicht nachden bestehenden Censurgesetzen", Broschüren, Jugend- und Volksschriften^Unterhaltungsbücher (Z 6)nach der ganzen Strenge", wobei nicht nuralles das auszumerzen war, was der Religion, Sittlichkeit, Achtung undAnhänglichkeit an das regierende Haus, bestehende Regierungsform u.s.w.geradezuoder mehr gedeckt" entgegen war, sondern auch alle Schriften,selbst zuentfernen" waren,die weder auf den Verstand noch auf dasHerz vortheilhaft wirken, und deren einzige Tendenz ist, die Sinnlich-keit zu erregen".Es soll daher alles Ernstes getrachtet werden, derso nachtheiligen Roman-Lektüre ein Ende zu machen." Ausgenommenwarenjene wenigen guten Romane, welche zur Aufklärung des Ver-standes und zur Veredlung des Herzens dienen". Romane aber,welcheeinzig um Liebeleien als ihre einzige Achse sich drehen, oder die Ein-bildungskraft und Hirngesvinnste füllen", hatte der Censor zu streichen.Der vornehmen Belletristik endlich, den Klassikern der schönen Wissen-schaften gegenüber hatte der Censor eine Mittelstellung einzunehmen:Die Erzeugnisse des Witzes, die Produkte der Dichter sind auf dieGroßzahl berechnet und können daher nicht wohl von der Kathegorie derVolksschriften getrennt werden. Sind aber auch die klassischen Werkeder Art nicht nach der ganzen Strenge der Z 6 gegebenen Grundregelnzu behandeln, so können sie doch auch nicht mit der § 4 angezeigtenNachsicht behandelt werden, um so weniger, als sie das wahre Wohlder Einzelnen oder des Ganzen zu befördern nicht geeignet sind, wohindoch die eigentliche Tendenz der § 4 bezeichneten Bücher geht." Fürdie gedruckten Werke, also in erster Linie die gesamte durch die Filter