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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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276 7- Kapitel: Von der Säkularfcier bis zu den Märztagen (18401848).

Daß bei dem geschilderten Verfahren der österreichischen Censur vondem Zeitpunkte der Einreichung des Manuskriptes an das Revisionsamtbis zu demjenigen, wo es im Revisionsamt mit der Censurformclbeschrieben vorlag, eine geraume Zeit verstreichen konnte, ist leichtzu ermessen. Die Praxis war die, daß ein Censor die ihm zu-gewiesene Schrift drei Monate zurückhalten durste, ehe man ihn er-innerte, seine Pflicht zu erfüllen. Dazu kam, daß die censierte Schriftbeim Revisionsamt persönlich abzuholen war, und daß durch keinenschriftlichen Bescheid davon Nachricht gegeben wurde, daß die Censur desWerkes erledigt sei.

Der Druck mit Censurlücken war verboten, der Druck mit den da-durch nötigen Zusätzen natürlich nur nach ihrer Genehmigung gestattet.

Schließlich durfte jedes im Jnlande aufgelegte Produkt erst ver-kaust oder angekündigt werden nach Ablieferung dreier Pflichtexemplare(eins für die k. k. Hofbibliothek, eins für die Polizeihofstelle, einsfür die Universitätsbibliothek; alle drei bei Büchern ausbesserem"Papier ).

In ihrer ganzen Wucht wurden die verderblichen Wirkungen derCensur auf das Buchgewerbe hier fühlbar. Eine Petition der WienerLitteraten (97 an der Zahl, darunter Grillparzer, Bauernscld, Feuchters-leben, Castelli, Zedlitz, Saphir, Stifter) vom 11. März 1845 erklärte:Die Verweigerung des ,Imprimatur für das Inland' hat geradezudie Wirkung einer Prämie, die man dem nord- oder süddeutschen Buch-händler zum Nachteil des österreichischen bezahlt, und zwar für dieselbeWacire die der Inländer gleichfalls produciren kann." Die Denkschriftschätzt die Summe, die dem buchhändlerischen Verkehr dadurch entzogenwürde, daß Bücher, die im Jnlande gelesen würden, im Jnlande nichtgedruckt werden dürften, aufjährlich wenigstens eine Million Gulden".Sie hat dabei zunächstephemere oder leichtere" Litteratur im Auge.Sie weist andererseits darauf hin, wie nachteilig die durch den Zustandder österreichischen Censur herbeigeführtegänzliche Erlahmung des com-mcrzicllen Hebels der Literatur, des Buchhandels nämlich, und vor allemdes so sehr gehemmten, ja in einer ersprießlichen Ausdehnung ganz un-möglichen Verlaggeschäftes" auf die ernste, namentlich wissenschaftlicheProduktion zurückwirken müsse. Der Verleger ist es, aus den geradediese Litteratur angewiesen ist. Der Staat ist nicht gewohnt, ihndurch