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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Fortschritte der Technik und des Büchermarkts.

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Warwick-Castle , St. Pauls-Kirche, Windsorschloß. Das nennen wirvaterländische Lektüre!" rief Friedrich Harkort 1842. Jetzt vervoll-kommnete auch der Deutsche seine xylographischc Technik, und F. A. Brock-haus machte das für unmöglich gehaltene möglich, die Ausführung desHolzschnittdrucks aus der Schnellpresse; und so wurde in ganz anderemund höhcrem Sinne als vorher denkbar gewesen wäre, nach Form undInhalt möglich, was die erste Nummer vom 1. Juli 1843 als Pro-gramm der neuen Zeitung aussprach:Die innige Verbindung desHolzschnittes mit der Druckpresse, um die Tagesgeschichte selbst mit bild-lichen Erläuterungen zu begleiten und durch eine Verschmelzung vonBild und Wort eine Anschaulichkeit der Gegenwart hervorzurufen."Im Jahre 1845 begannen sich aus kleinen und gleichsam zufälligen An-fängen unregelmäßigen Erscheinens heraus die MünchenerFliegendenBlätter ", deren Auflage schon zwei Jahre später gegen 18 000 Exemplarebetrug, zu entwickeln, denen bald darauf ebenfalls bei Braun <K SchneiderdieMünchencr Bilderbogen" folgten. Die Magdeburgischc Zeitung,die bis dahin noch fast in demselben Formate erschien wie in den Jahrendes Dreißigjährigen Krieges, ging 1841 zum Folio-Format über. Neu-entstchcnde Zeitungen konnten sich jetzt sogleich als täglich erscheinendeFolioblätter cmfthun, wie Karl MathysBadische Zeitung " (1. Jan.1841). Die Bremer Zeitung ging 1843 zum täglichen Erscheinen über.

In den Jahren so lebendigen Vorwärtsdrüngcns lebte und wirktenoch immer der Mann, der ein Menschenalter vorher in Wien die Ab-gesandten des deutschen Buchhandels so liebenswürdig empfangen hatte,der Staatskanzler von Metternich. Wie hart die deutsche Presse an-gefaßt wurde: ihm war es noch immer nicht hart genug. Im Jahre1846 rief er die Regierungen zu strengerer Handhabung der Beschlüssevom Jahre 1819 auf. Das Schicksal des von Ernst Keil 1848 be-gründetenLeuchtturms", der in Sachsen keine Konzession erhaltenkonnte und in den zwei Jahren 1846/47 ohne Ruh und Rast durchdie Lande gejagt wurde: von Zeitz nach Halle, von Halle nach Magde-burg, von Magdeburg nach Dessau, von Dessau nach Bremen , vonBremen nach Braunschweig , um auch aus Braunschwcig durch preußischenEinfluß vertrieben zu werden, zeichnet die Lage der Presse in den letztenJahren und Monaten vor dem Frühjahr von 1848.