288 Kapitel: Von der Säkularfeier bis zu den Märztagen (1840—1848).
Es war in der österreichisch-ungarischen Monarchie, dem Staateder allerstärksten und erfolgreichsten Unterdrückung des Buchhandels, indem, auf dem böhmischen Landtage im Jahre 1847, Fürst Lamberg be-merkte: es scheine fast, als ob überhaupt der Grundsatz gelte, daß esbesser wäre, wenn lieber gar nichts gedruckt würde als höchstens Kund-machungs-Patente, Steckbriefe, Börsenzettel und dergleichen, und dann den-noch fortfuhr: „Ist denn aber ein solcher Grundsatz in dem gegenwärtigenZeitpunkt noch haltbar, wo die verbotene Waare des Gedankens bei denerleichterten Communicationsmittcln mit galvanischer Schnelligkeit voneinem Endpunkte der Monarchie sich bis zum andern verbreitet?" — Erwar nicht mehr haltbar. „Der freie Gebrauch der Presse wird unswerden", rief Mathy 1843; „die Censur wird untergehen unter demdreifachen Fluche ihrer Unsittlichkcit, ihrer Gcmeinschädlichkcit, ihrerLächerlichkeit." Dahlmann sprach in seiner „Politik", die in Leipzig imJahre 1847 erschien, wie so viele andere die Überzeugung aus, daß dieRegierungen gegenüber den täglich wachsenden Verkehrsmitteln, dem raschenFlug der Briefe und der Reisenden den Fortschritt deutscher Preßfreiheitzu hemmen nur sehr bedingt und von Tag zu Tag weniger im Standeseien, und er schloß mit dem Satze: „Es läßt sich demnach den Staats-regierungen kein ehrlicherer Rath geben als dieser: sich bei Zeiten da-nach einzurichten, daß sie eine freie Presse zu ertragen im Stande sind."
Das Jahr 1848 warf seine Schatten voraus. Noch hatte es derBund mit Landtagen und Regierungen zu thun. Zum letzten malepochten die Abgeordneten Badens und Württembergs in den Jahren
1846 47 an die Pforten der Bundesversammlung, um dringender alsje die endliche Ausführung des vielberufenen Artikels 18 der Bundcs-aktc zu heischen. Und schon begannen die Mauern zu wanken und hierund dort zu stürzen. Am 7. September 1847 beschloß der Bundestag,die Verleihung der Preßfreiheit jedem Einzclstaate anheimzugeben —beschloß es freilich nur und publizierte den Beschluß nicht. Im Dezember
1847 hob Bayern die Censur betreffend die inncrn Angelegenheiten auf.Der zweite Monat des Jahres 1848 kam. Ein deutscher Buch-händler, Friedrich Daniel Bassermann , Kaufmann ursprünglich, seit 1843Mannheimer Verlagsbuchhändler — in seinem Verlage erschienen Auer-bachs „Dorfgeschichten" und Kuno Fischers „Geschichte der Philosophie";der Mitbegründer der Firma war Karl Mathy — brachte am 12. Fe-