Hoffnungen. Rückgang der Produktionsziffer.
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Der Umstand, daß die deutschen Staaten die Einführung der Prcß-freihcit verkündet hatten, war ja buchhändlerisch in der That vonviel weiterer und tieferer Bedeutung als etwa nur der einer Entfernunggewisser störender Formen. Sie war wie Brief und Siegel dafür, daßder deutsche Geist mit neuer Tiefe, neuem Ernst und neuer Lust, neuerGründlichkeit und Wirkungskraft die Arbeit littcrarischen Schaffens undVerbrcitcns aufnehmen werde. „Die Zeit", rief 1848 im Börsenblattfür den Deutscheu Buchhandel Vi. I. A. Romberg, „hat der Mcherüber-schwemmung einen Damm entgegengesetzt, mit der Preßfrciheit und andernFreiheit macht die Eivilisation Riesenschritte, aller Schund in der Literaturwird weggespült, das Volt will Fortschritt durch Bildung, die Schulenwerden verbessert, die Frage der Lehr- und Lernfreihcit überall erörtert,die Zahl der Konsumenten Käufer) vergrößert sich in ungeheurem Maß-stäbe, der Staat verlangt Fähigkeiten, der Fortschritt ist gesichert undeine glänzende Zeit für den Buchhandel bricht an." Darin lag viel un-bestreitbar Nichtiges, wie die Folgezeit beweisen sollte. Man wird anein kluges Wort in Karl Gutzkows „Rückblicken aus mein Leben"(Berlin , 1875) erinnert. Er spricht von seiner Stellung zn der Forde-rung der Preßfrciheit in der vormärzlichcn Zeit. „Ich sagte mir, daßPreßfrciheit allein, ohne ein großes, freies, staatliches Leben ein Messersei, bei dessen Gebrauch sich der Eigner nur selbst verwunden würde.Schwimmen sollte man dürfen und versperrt dazu das offene Wasser?Welchen Gebrauch würde man denn in Preußcu ohne eine Eonstitution,ohne Stände, ohne Discussion über die Verwaltung, von Prcßfreiheitgemacht haben? . . Nur um große Gegenstände ist der Gebrauch derfreien Sprache da."
Gar so rasch und glatt freilich sollten gar so verschiedene Zeiträumeuicht auseiuauderfolgcn. Recht zu bekommen schien Romberg zunächstjedenfalls damit, daß der „Bücherüberschwcmmung ein Damm entgegen-gesetzt" sei. Ein Wachstum, das Üppigkeit und Stetigkeit in der Weiseder dreißiger und ersten vierziger Jahre verband, begann sich erst mitden sechziger Iahren wieder einzustellen. Der Jahresdurchschnitt derProduktion in den Jahren 1835/47 und 1848/60 betrug 11107 und8921. Der Umschwung tritt noch deutlicher hervor, wenn man dieProduktion des Jahres 1848 in die Mitte stellt und mit dem Jahres-durchschnitt der Produktion im vorangehende» uud nachfolgenden Jahr-