294 L, Kapitel: Preßgesctzgcbung u^ Urheberrecht bis z. Ende des Deutschen Bundes .
zehnt vergleicht; die drei Produktionsziffern für den Durchschnitt desJahrzehnts 1838—1847, für das Jahr 1848 und für den Durchschnittdes Jahrzehnts 1849—1858 sind 11584, 9942 und 8659.
Nun wäre das ja wohl eine Änderung gewesen in der Richtung,wie sie der Buchhandel so oft und mit so heißer Inbrunst herbeigewünschthatte. Indes, sie war guteuteils herbeigeführt von Ursachen, die wenigerfreulicher Natur waren. Da war zunächst die allgemeine Ungunst desRcvolutionsjahres selbst für Handel und Wandel überhaupt. Was füreine trübselige Ostermessc, die Ostcrmesse des großen Jahres, dessenFrühlingsbotschaft der Buchhandel mit so großer Begeisterung auf-genommen hatte! Wir haben einen späteren Bericht darüber von FranzWagner in Leipzig . Er erinnerte sich nicht, in seinem „von Geld- uudHandelskrisen, sowie Kriegswirren reich besetzten Geschäftslcbcn einer sotrostlosen Lage im Handel und Wandel wieder begegnet zu sein, wie siedie Ostermessc 1848 aufwies. Wie im Staate so hatte auch im Handeleine Herrenlosigkeit Platz gegriffen und eine Rcchtsvcrwirrung und Pflicht-vergessenhcit wareu zu Tage getreten, die jetzt ganz unglaublich erscheinen.Die Abrechnung zur Ostermesse war in ihrem Umfang und dcn Geld-beträgen nach unter diesen Umständen kaum nennenswert!)." Dazu kam— eine ja zu allen Zeiten nur zu wohl bekannte Erscheinung — diebesondere Ungunst unsicherer Zeitläufte für Gewerbe, deren Erzeugnissenicht den notwendigsten Lebensbedürfnissen dienen. „Die Zeitungenerschöpften fast das Lese Bedürfnis;, und der literarische Verkehr lag sosehr darnieder, daß auch die Acltcsten unter uns sich eines so ungünstigenAuslandes im Buchhandel nicht erinnern", bemerkte eine Denkschrift derKorporation der Berliner Buchhändler vom 17. Mürz 1849; „eine nichtunbedeutende Zahl von Buchhandlungen sind darüber zu Grunde ge-gangen, Andere werden geraumer Zeit bedürfen, um sich von dcn viel-fachen Verlusten zu erholcn, von denen sie betroffen worden sind".Alle ähnlichen Berichte damaliger Zeit stimmen darin, namentlich inder Betonung des Zurückdrüngcns des Bücherkaufs durch die Zeitungenund Flugblätter, überein.
Wer sich aber der Hoffnnug getröstete, der Buchhandel werde nachWiederkehr geordneter Nechtszustäude für die ausgestandenen Leiden mitFreiheit der Presse und Einheit des Gesetzes in Deutschland belohntwerden, sollte sich bald enttäuscht sehen.