29<> 8. Kapitel' Preßgeset'gebu»^ u. Urheberrecht bis z. Ende des Deutschen Bundes.
der Presse der Zustand der „Prcßsrcchheit" eine natürliche Begleit-erscheinung sei, um so eher und um so mehr, je stärker und dauernderder Druck war, der zuvor aus ihr gelastet hatte. Wann wären dieUmstände günstiger gewesen, solche Erfahrungen, wie man sie zuletzt ingeringerem Maße zu Ansang der dreißiger und speziell in Preußen zu Be-ginn der vierziger Jahre gemacht hatte, neu zu sammeln, als zur Zeitdes „Provisoriums" nach den Märztagcn von 1848?
Auf dem Gebiete derjenigen Erzeugnisse der Druckcrpressc, in welchensich unmittelbarst und am leichtesten beweglich die Regungen der Tagewiedergeben, in der Tagcspresse, erlebte man am unmittelbarsten diebefreienden und befruchtenden und die zweifelhaften und bedenklichenFolgen der uach so langem Warten nnn schließlich dennoch so plötzlichund legislatorisch nnbcrcitet eingetretenen Entfesselung.
Der gesunde Teil der bestehenden Presse begann mit neuen Lungenzu atmeu. Die „Wicuer Zeitung" führte nun sofort den Leitartikelein, in Süddeutschland breitete der „Schwäbische Merkur" seine Fittigczu neuem und stolzem Fluge, die „Kölnische Zeitung " stieg im Laufedes Ncvolutiousjahrcs in ihrer Auflage von 9500 auf 17400 Exem-plare und wurde dadurch zum Weltblatt. Reue zukunftsreiche Blättererhoben sich. Schon am 22. März kündigte die „Natioual-Zcituug" iuBerlin ihr Erscheinen an. „In der Märtyrcrnacht der Freiheit vom18. auf den 19. März ist die wahre und wirkliche Prcßfrcihcit füruns geboren. Die Presse kann, wenn sie ihren Berns erfüllt, nichtsweiter sein, als der Ausdruck der ösfeutlichcn Meinung. Diese geht inDeutschland auf rcchrsgleichc Ordnung, auf einträchtige Gleichheit, ansgesichertes Bürgcrglück. . . Die Stärke eines Volkes beruht aber haupt-sächlich auf der Anerkennung seiner politischen Mündigkeit." Am 1. Aprilerschien ihre erste Nummer. Der IN. ^nui brachte die erste Nummer der„K'rcuzzcitnng", oder wie eigentlich der mit dem Eisernen Kreuz ge-schmückte Titel der Zeitung des späteren eisernen Kanzlers hieß.- der„Neuen Preußischen Zeitung ".
Das Bild der gegenteiligen Wirkungen bot sich am grellsten dort,wo der Druck am stärksten uud dauerndsten gewesen war, in Österreich .Hier hatte eine am 31. März 1848 erlassene „Provisorische Vorschrift"vom 29. März noch die Hinterlegung ciucs Eremplars von jedem ein-zelnen Blatte einer Zeitung, jedem Hefte einer periodischen Drnckschrist