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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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ZOO 8, Kapitel: Preßgesetzgeduiiq u. Urlieberrecht bis z. Ende des Deutschen Bundes.

der oktroyierten Erfurter Unionsvcrfassung vom Iii. April 1850 trübtesich ihre Klarheit. Statt der Bestimmung, das? die Prcßfreiheit unterkeinen Umstanden und in keiner Weise durch vorbeugende Maßregeln,namentlich nicht nur nicht durch die Eensur, sondern auch durch keineKonzessionen, Sicherhcitsbestellungeu, Sraats-Auflageu, Beschränkungender Druckereien oder des Buchhandels, Postvcrbotc oder andere Hem-mungen des srcien Verkehrs beschränkt, suspendiert oder aufgehobenwerden dürfe, hieß es jetzt nur:Die Eensur darf nicht aufgehobenwerden". War damit die Absicht ausgesprochen, für Konzession, Sichcr-heitsbestcllung u. s. w. die Thür offen zu halten? Beide Häuser suchtender Gefahr vorzubeugen, indem sie den Zusatz beschlossen, daß jede Be-schränkung der Presse nur im Wege der Gesetzgebung eintreten dürfe.

Der Buchhandel aber sah die Entwickelung der Dinge nur zu klarvoraus. Es war nicht die Süddeutsche Buchhäudlcrzcituug allein, .diegegen Ende des Jahres 1848 den Stufcngang: Preßfrcihcit, Prcßfrech-heit, Prcßgcsctz mit ärgerer Einyvängung als vordem durch die strengsteEensur, voraussagte.

Die Wandlung von der Zensur mit Ecnsor zur Ecusur ohne Eensorbestand aber darin, daß der Ort der Garantie für die Ungefährlichtcitder Presse von der Person des nun verslosscnen Ecnsors in die Persondes Buchhändlers uud Buchdruckers verlegt werden sollte.

Recht bezeichnend dasür war eine von dem vormaligen Eensordaselbst, Archivdirektor Rommel, angeregte Erklärung der Eassctcr Buch-händler und Buchdrucker vom 9. Juli 1848. In einer Zeit, hieß esdarin, woan die Stelle des Censurzwanges eine bisher in solchemMaaße unbekannte und ungeübte Prcßfreiheit" eintrete, sei den Ver-legern, Buch- und Kunsthändlern, sonne den Inhabern von Buchdrucke-rcicn und lithographischen Instituten, selbst nach dem Erscheinen einesPreßgesctzes, zugleicheine moralische Verantwortlichkeit und eine gleichgroße Gelegenheit wahrhafter und nncigcnnütziger Vaterlandsliebe" er-wachsen. DemPublikum, der blind zugreifenden nengierigen Menge,der unerfahrenen Jugend, den anarchischen Gelüsten" gegenüber seien sie,mit dem Tacte der eonslitutionellcn Gesinnung begabt", berufen, diezügellose Ausbreitung revolutionärer Flugschriften, skandalöser Pasguilleund verhöhnender iiarrikaturcnMaaß und Ziel zu setzen" und dadurcheincuuusichtvareu, aber bedeutenden Einfluß" cmszuübcu zurBe-