Zuverlässigkeit.
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Ausübung dieser Gewerbe einer solchen vorgängigen Erlaubnis; nichtmehr." Die Reaktion aber suchte gerade aus demselben Grunde dem buch-hänolcrischen Gewerbe die stärksten Beschränkungen aufzuerlegen.
War der Buchhändler der vormärzlichen Zeit revolutionär gesinnt?Friedrich Johannes Frommann gab in einer Broschüre vom Jahre1851: „Die neuesten Versuche zur Preßgesetzgebung", zu, daß allerdingsder „unselige Rotteck'schc Liberalismus" im Buchhandel stark verbreitetgewesen sei, wenngleich ja auch nicht stärker als in den bureaukrcitischenReihen selbst; „aber trotzdem", fuhr er fort, „herrschte ein Sinn fürGesetzlichkeit bei uns entschieden vor, erwachsen in unscrm Börsenvercine,der nnn schon über 25 Jahre unter dem Schutze der K. Süchs. Regierungbesteht und gedeiht . . Wir brauchen zum Gedeihen unsers Gewerbesmehr wie irgend einer Frieden und feste gesetzmäßige Zustände, Friedenin ganz Deutschland, ja in ganz Europa , und das wissen wir". From-mann sprach nicht von den Nevolutionsjahrcn selbst. Da bestand jafreilich die Beteiligung auch des Buchhandels nicht nur darin, daß, wiezahlreiche seiner Mitbürger, so auch mancher junge Buchhändler, wenigzum Gedeihen des Geschäftsbetriebes, einer Bürgcrwehr beitreten mußte.Earl Schmidt z. B., damals Gehilfe in Freiberg und später als Buch-händler in Döbeln einer der Männer, die in der Reform- und Vereins-bewegung der siebziger und achtziger Jahre hervorgetreten sind, stand1849 mit auf den Dresdener Barrikaden; August Reimmann in Freiberg ,der dann flüchten mußte, Hab und Gut verlor und erst in derSchweiz eine neue Heimat fand, nahm führend am Maiaufstand inDresden Teil. Allein wenn der Buchhandel freie Bewegung erstrebte,so ersehnte er zugleich „Gesetzlichkeit" und Frieden, oder etwas andersgeformt: Gesetzlichkeit und eine gewisse Einfriedung. Das Verlangenuach freier und ungehemmter Bewegung einerseits, das starke Interessean eingefriedeten Zustünden andererseits: das sprach sich deutlich aus inder Stellung des Buchhandels zu den beiden ihn betreffenden Haupt-fragen der 1848 er Zeit, den Fragen der Preßfreiheit und der Gewerbe-frcihcit. Von der letztern wird in andcrm Zusammenhange die Redesein. Hier nur soviel: wie stark im damaligen Buchhandel dasStreben nach Preßfreihcit, so stark das Sträuben gegen Gewerbe-freiheit. Wenn aber auf das Zeitalter der Eensur ein Zeitalter reinerPreßfrciheit, wie mit einem Messerschnitt von ihm getrennt, nicht wohl