Fortschritt des Zcitungswcwis.
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raumes, im ersten Bande der Verhandlungen des Sechsten DeutschenJuristcntagcs, 1865, der Königsberger Professor John, „auf die eineSeite der Wagschalc: 1) die Zeitungssteuer, 2) die Entziehung des Post-debits, 3) die Kautionen, 4) die polizeiliche Beschlagnahme, 5) die ge-richtliche Beschlagnahme, M Verbote von Zeitungen, Zeitschriften u. s. w.,7) Konzessions-Entziehungen, 8) Strafen lGeld und Gefängnis) fürAutor, Redakteur, Verleger, Drucker, 9) Zeugenzwang, um den sog.„wirklichen Verfasser" herauszubekommen, — und auf die andere Seiteder Wagschale lege man nichts von alle dem, sondern nur einzig undallein den Censor, vielleicht sogar einen von der Regierung unab-hängigen Ecnsor, — denn etwas an sich Undenkbares würde das ebensowenig sein, als eine von der Regierung unabhängige Staatsanwaltschaft.— Dies mag man einander gegenüberstellen, dann auf die Verfassunghinweisen und erklären: ,Wir hatten einst die Eensur; die darf nichtwieder eingeführt werden, das ist verfassungsmäßig garantirt; jetzt habenwir Prcßfreihcit mit gesetzlichen Beschränkungen'. Ob man dabei auchbehaupten wird, daß die Presse sich jetzt besser befinde, als früher? —"Gewiß: die Abschaffung der Censur allem, das erfuhr man zurGenüge, war es nicht, durch die ein Zeitalter der Preßfreiheit hergestelltwurde. Wie das alte System kein rein präventives gewesen war, dennneben der Censur kannte es gesetzliche Bestimmungen, auf denen dieCensur ruhte, und weder die Judikatur der Gerichte, noch kräftige Re-pressivmaßrcgcln waren darin ausgeschlossen; so wurde umgekehrt indein neue« System das Eingreifen der Verwaltungsbehörden nicht reinaus dem Gebiete des Preßrechtcs verwiesen, wurde eine ganze Reihe vonPräventivmaßregcln hcrübergenommen oder wurden neue eingeführt undfehlten noch immer die Normen, die, soweit es erreichbar war, der Willkürden Riegel vorschoben. Trotzdem aber war die stärkste Säule des altenSystems die Censur, und diese Säule hatte das Jahr 1848 gestürztund für immer gestürzt; und wenn es gilt, im Fortschritt der Zeitendas für die fünfziger und sechziger Jahre bezeichnende gegenüber denJahrzehnten vor 1848 hervorzuheben, so wird man weniger bei denResten der Bedrückungen im Stile der vormärzlichcn Zeit verweilen,als vielmehr darauf das Gewicht legeu, daß ihrer ungeachtet unddurch sie hindurch eben in jenen Jahrzehnten gerade derjenige Zweigdes litterarischen Gewerbes, dem alle jene feindlichen Maßregeln in