ZZg 8. Kapitel: Prcßgesctzciebuuq u. Urheberrecht bis z. Ende des Deutschen Bundes .
alle materiellen Verschiedenheiten hinweg: wo, in formaler Hinsicht, wareine durchdachte einheitliche Auffassung der leitenden Grundsätze des ganzenRechtsgebiets, und wo war deshalb die Garantie einheitlicher Fixierung,Interpretation und Behandlung, selbst die — scheinbare — materielleGleichheit vorausgesetzt? Die Reichweite der Ware des Buchhandels istgrundsatzlich nicht der Ort, nicht das Land, sondern das ganze Sprachegebiet. Von der Sorge genauer Bekanntschaft mit den verschiedenenLandcsgesetzen zu schweigen, mußte sich der Mangel au Ausgeglichenheitund Austicfung des Rechts für Unternehmungen, die ein unter gleich-mäßigen gesetzlichen Bestimmungen stehendes größeres Absatzgebiet zur-notwendigen Voraussetzung hatten, ein schweres Hemmnis darstellen.
Nun kam ein Umstaud hinzu, der dem Buchhandel bcsondcrn An-stoß gab, für die einheitliche Gestaltung des litterarischen Rechtsschutzesin Deutschland einzutreten: der Abschluß internationaler Verträge.
Der Gedanke internationaler Rechtsschutzvcrträge konnte zunächstund im allgemeinen als eine Idee erscheinen, restloser und bedingungs-loser Beförderung würdig und wert. Er war humanen Geistes voll,und er sprach von der Ausdehnung des buchhäudlcrischen Wirtschafts-gebiets. Indessen näher besehen waren für den Vertragschließenden dochzwei Fragen zu erwägen: die Frage nach der Gleichmäßigkeit der Ver-tragsbestimmungen innerhalb des einheitlichen littcrarisch-buchhändlcrischenGcsamtkörpers, dem der Vertragschließende angehörte, und die Fragenach der Abwägung der Vorteile des Vertrags für beide Kontrahenten,namentlich natürlich im Falle des formalen Gcgenscitigkeitsvcrtrags.Die Verhältnisse lagen aber in beiden Beziehungen für Frankreich undEngland viel günstiger als für Deutschland. Der Abfluß der deutschen ^riginalproduttion nach den Nachbarstaaten war im Verhältnis zudemjenigen der französischen und englischen Atteratur in den Staatender civilisicrten Welt gering. Ruf und Eigenart besonders der fran-zösischen Litteratur verlockte zu Übersetzungen und Bearbeitungen, undder belgische Nachdruck machte der Verbreitung der französischen Pro-duktion über die civilisiertc Welt, der nordamcrikanischc derjenigen derenglischen Produktion nach Amerika stärkste Konkurrenz. Darin war esbegründet, daß Frankreich und England das Zeitalter der internationalenVerträge herbeiführten, das mit dem Jahre 1843 begann, während inAntwort darauf in Teutschland eine heftige und grundsätzliche Gegner-