342 9- Kapitel: Weiterentwickelung des Geschäftswesens. 1L15—1867.
papieren zum Grimmaischen Thore hinaus in die Waffelbuden zog, woAbend um Abend in Äckerlcins Keller, in den Konditoreien und anandern Orten die Buchhändlerwelt sich erlustigte, und wo in WollcnwebersKonditorei, dem „Leipziger Athenäum", etwa Müllner, Marschner undJohannes Wit mit Friedrich Campe, Otto Wigand und Gottlob Franckhzusammensaßen und unter Buchhändlern und Littcraten sich ein aus Ernst,Frohsinn und Übermut seltsam genug gemischtes Leben entfaltete. Weitdarüber hinaus aber ragte der Geist alter Zeit so stark noch hineinbis in die Zeit der vierziger Jahre, daß man damals nicht nur diesbeklagte: daß die Messe, fast nur noch zu Abrechnung und Zahlungdienend, beinahe nur noch von Verlegern besucht werde, während diepersönliche Anwesenheit doch auch der Sortimenter nützlich sei zu gegen-seitiger Berührung, Austausch der Ansichten, Bildung von Erfahrungenu. s. w., auch Geldgeschäfte sich am besten persönlich erledigten,sondern daß man geradewegs dazu aufrufen konnte, die „ursprünglicheBedeutung der Messen wieder herzustellen": persönliche Wahl nach wirk-lichen Büchern (Novitäten), womit das „unsägliche, oft so kritiklose"Verschicken der Neuigkeiten wieder abgeschafft wäre.
Es ist selbstverständlich, daß die Arbeit des einzelnen Geschäfts sichschon rein infolge des allgemeinen Wachstums des volkswirtschaftlichenGesamtkörpers vermehren mußte. Dazu vergrößerte sich die Zahl derdirekten Versendungen durch den Wandel der Organisation, und derbuchhändlerische Verkehr überwucherte immer mehr die ganze Zeit desJahres. Die steigende Lebhaftigkeit, die Zunahme und gleichzeitigeZerlegung des Verkehrs konnte sich aber bei der Abnahme des altenGroßsortiments- und persönlichen Meßhandels weiter und vor allemuur halten und entwickeln auf Grund der entsprechenden Fortbildungdes Kommissionsgeschäfts, einer Fortbildung, die darin bestand, daßaus dem verfilzten Getriebe sich umeinandertreibcnder Menschen mitall seinen altvaterischen Behaglichkeiten, aber auch all seinen altzeit-lichen Reibungen und Hemmungen auch hier endgültig der Mechanis-mus, die rasch und exakt arbeitende Maschine rein heraustrat, aufgestelltgleichsam im ausgeräumten Saale zwischen glatt geweißten Wänden.Wenn wir bis ins zweite Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts den persön-lichen Meßhandel haben und von da an die Mittelzeit noch des wirl^lichen persönlichen Abrechnens auf der Messe, so waren es, wenn man für