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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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350 !>. Kapitel: Wcitercntwickelung des Geschüftswescns. 18151867.

von Leipziger und Rcichsbuchhändlerhandlungsart geläufig ist. Die nord-deutschen Handlungen betrieben mit wenigen Ausnahmen ihre Geschäftednrch Vermittclung Leipziger Kommissionäre, hielten größtenteils inLeipzig Auslieferungslager und machten sich gegenseitig ihre Sendungennach Leipzig frei; gerechnet wurde (mit der als Buchhändlerwährungbezeichneten Modifikation) nach dem Konvcntionsthalcrfuß. Die süd-deutschen oder Rcichsbuchhündlcr dagegen standen in unmittelbarer Ver-bindung, expedierten also ihren Verlag von Hause, und sandten sich allesuufrankiert zu; die Rechnungen führten sie nach dem Vierundzwanzig-guldcnfuß. War in Norddcutschlcmd der Mangel des Auslieferungs-lagers grundsätzlich die Ausnahme, so war in Süddeutschland gerade dasUmgekehrte der Fall. Zu den norddeutschen Handluitgen standen diesüddeutschen in denselben Beziehungen wie jene unter sich: sie rech-neten mit ihnen nach Thalern, sandten alles frei nach Leipzig und ließendort ausliefern; in Süddcutschlaud selbst aber bildeten die wenigenAuslieferungslager, die sich in Frankfurt und Nürnberg fanden, dieAusnahme; das süddeutsche Kommissionswescn an diesen und den übrigenhier in Betracht kommenden Plätzen war fast ausschließlich Speditions-geschäft. Der Geschäftsverkehr war also, was sich besonders in derAbrechnung fühlbar machte, für den süddeutschen Buchhändler in mehr-facher Hinsicht unverständlicher als für den norddeutschen. Währendfür den norddeutschen Buchhändler nur der eine allgemein deutsche Ver-kehr über Leipzig galt, bestand für den süddeutschen Buchhändler eindoppelter, ein nord- und süddeutscher, der süddeutsche aber zerlegte sichabermals in eine Mehrzahl untereinander differierender Abrechnungs-gebicte. Wenn das Zeitalter des persönlichen Besuchs einer deutschenCentralmesse und der Großsortimcnter-Vcrmittclung mit den zwanziger,dreißiger Jahren ablief, während die Einrichtungen des modernen Ver-kehrs sich erst seit etwa 1840 entwickelten und seine Konsequenzen durch-greifend erst nach Jahrzehnten wirksam werden konnten, so konnteoffenbar die neue Durchbildung des Leipziger Kommissionswesens nichtauch schon eine neue Einheitlichkeit des deutschen Geschäftsverkehrs be-deuten. Vielmehr mußte sich zunächst gerade durch die Vielgcstaltigkeitdes Spcditionsvcrkehrs ein Eigenleben und Eigcnstreben der verschiedenenKommissionsplätze bemerkbar machen, che die Richtung nach Vereinheit-lichung des Verkehrs jene Tendenzen mehr oder weniger überwand.