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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Z?0 tlX Kapitel: Die Reformbeivegung bis zum Ausgang der sechziger Jahre.

oder vielmehr des Ganze», in dein er selbst organischer Bestandteil ist,in dieser Umgebung oder diesem Ganzen vor sich gehen, mehr oder wenigerzugleich pathologische Erscheinungen und Vorgänge social willkürlicherSclbstrcgulicrung. Diese Erscheinungen und Vorgänge sind es, die zu-sammen das bilden, was man als Rcformbcwegung bezeichnet; und dieseihre Eiustellung in den Wandel volkswirtschaftlicher Anpassungsformengibt den Maßstab für ihre geschichtliche Darstellung und Beurteilung.Es wäre dabei etwa noch vorauszuschicken, daß bei den Erscheinungen,die wir soeben kurz als pathologische bezeichnet haben, zwei Arten unter-schieden werden können, Übergangserscheinungen und kriscnverursachendcDauererscheinungen.

In der ersten Periode, der Zeit des Wanderhandels, war Deutsch-land ein weites Gebiet mit spärlich darin verstreuten buchgcwcrblichenUnternehmern, die eigene Ware in eignem Vertrieb weit durch weiteLande führten.

Welche Riesenuntcrnchmungen Hütten es sein müssen, die auf solcherGrundlage mit Wachstum und Differenzierung buchgcwcrblichen Er-zeugens und litterarischen Bedürfnis hätten Schritt halten sollen? DieGröße der Mannigfaltigkeit des Lagers steht im umgekehrten Verhältniszu der Größe des erforderlichen Absatzgebietes. An Stelle des Unter-nehmers, der für die eigene Ware die in ganz Deutschland verstreutenInteressenten aussuchte, trat der Produzent und Händler, der eigne undmöglichst zahlreiche und mannigfaltige fremde Ware innerhalb eines un-gleich beschränkter» Gebietes verbreitete; eine Gestaltung also, die not-wendig uud vorteilhaft war sowohl für die wirtschaftlichen Interessendes Buchhandels wie die geistigen der Nation; um so mehr, je mehrDeutschland , was die räumliche Gliederung höherer Bildnngspflege betrifft,auf eine starke Deccntralisation angewiesen war.

Die Beschwerden, Reibungen und Kämpfe, die aus der natürlichenAufciuandcrfolgc der ersten und zweiten Periode hervorgingen, die hierin Betracht kommenden Übergangserscheinungen also, bestanden in demKampfe des Ortsbuchhandcls gegen den Buchhandel der Fremden. Dennin dieser seiner zweiten Entwickelungspcriode, in der gleichsam auf dieZeit des Buchhändlers die Zeit des Buchhandels folgte, trat erstens audie Stelle des ungehinderten Schweifens des Unternehmers und seiner