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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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404 10, Kapitel: Die Reforiubewegnug Ins zum Ausgang der sechziger Jahre.

langen nach einem allgemeinenUsancencodex", der, ohne mit Straf-bestimmungen verbrämt zu sein und ohne unmittelbar reformierendeVorschriften zu enthalten, einfach den gesunden Kern des Herkommensim geschäftlichen Betriebe festlegte. In der Mitte der 1830er Jahrewurde dieser schon vorher öfters erörterte Gedanke bestimmter formuliert;der Vorstand des Börsenvcreins versandte auch Fragebogen dazu.- auf-gestellt in ziemlich bunter Reihenfolge, betrafen diese unterm 1. Angusrl836 versandten 46Fragen zur Feststellung buchhändlerischer Geschäfts-gcbräuchc": Kredit, Bücherlotterie, unverlangte Nova-Sendung, nicht-buchhändlerische Kommission, Vertrieb versiegelter Geheimnisse, Preis-herabsetzung neuer Auflagen, Erscheinen in Bänden und Lieferungen,Restschreibcn, Freiexemplar, Faktur, Dispositionstcllen, Rechnungsdaucr,Remittieren, Münzfuß, Ladenpreis, Verpackung und Haftung, Übertrag;aber nun, wo es ans Handeln ging, war die Beteiligung so gering, daßdie Sache auf sich beruhen blieb.

Einig aber war sich die Mehrzahl der Verleger mit der der Sor-timcntcr in der Verurteilung des Kundenrabatts. Der Verleger kalku-lierte seinen Ladenpreis, und der Sortimcnter verschenkte die Hälftedes ihm zugedachten Gewinnes und sang dann sein Klagelied. Und dasRabattwcsen machte das Hauptvcrtricbswerkzeug, ja, wie es energischverlangte: das einzige Vertricbswcrkzeug des Verlegers rostig.

Gleichviel aber, inwieweit Gründe und Ziele der Reformbewegungum 1800 und um 1840 inhaltlich gleich oder verschieden waren, dieBewegung vollzog sich jetzt, in den Jahren, die die Institution desBörsenvcreins kannten, in einer Zeit, die sich von der um 1800 wesent-lich unterschied durch eine lebhafte allgemeine Strömung genossenschaft-lichen Zusammenhalts, wie sie im Unterschied zu dem Wirken auflockernderund zersetzender Gräfte in mannigfachen, wenn auch zum Teil noch mehroder weniger rasch versiegenden Quellen eben seit der Begründung desBörsenvcreins zu Tage trat, und die Entwicklung dieser Bewegung,Bewegung der Praxis und der Genossen, war die wesentlichste Gegen-kraft gegenüber der Resignation der Theorie und des Einzelnen, wie siesich drastisch zeigte in der Rcformschrift I. C. Gädickes:Der Buch-handel von mehreren Seiten betrachtet". Die Schrift war in ersterAuflage im Jahre 1^03 erschienen; der Verleger forderte den Verfasser