„Gutachtliche Äußerungen" 1847: Ruthardt, Beck, Volckmar. 423
Friedrich Beck sah den Weg zur Heilung darin, daß der Verleger imeignen Interesse den billigen Wünschen der Sortimenter entspreche.„Das Hauptübel unseres Handels stammt aus der seit Jahren immermehr überhandnehmenden Trennung des Verlags vom Sortimentsgeschäft;— der durch sein Glück begünstigte Verleger vergißt leider so oft, wasihm als Sortimente? wünschenswert!), ja zu seiner Existenz nöthig war."Der Verleger soll dem Sortimcnter nicht zumuten, in sogenannteralter Rechnung mehr gutzuschreiben, als dieser seinen Kunden undAbnehmern in Jahresrechnung bringen kann. Barpakete und Voraus-bezahlungen sollen wegfallen; „aus welchem Grunde soll der Sorti-mentsbuchhändlcr dem Verleger Vorschüsse zu dessen Verlagsunter-nehmungen machen?" Der „von jeher übliche Rabatt von "/„"soll nicht geschmälert werden.
Anders dagegen uud zugleich tiefer und gehaltvoller fielen die Gutachtenvor allem von Karl Reimer und Friedrich Volckmar aus. Sie zeigtenden Strom, von dem die Formen der Organisation getragen wurden.Volckmar war dabei der erste, soviel wir wissen, der knapp undklar den Begriff des „künstlichen Publikums" formulierte, und dementsprach sein ganzes Gutachten. „Unlüugbar werden jetzt mehr Bücherals früher gekauft, zum Theil, weil der Sinn für Literatur lebhaftergeworden ist, dann aber auch, weil durch die vielen Etablissementsmancher zum Kauf veranlaßt wird, der sich aus eignem Drange nichtdazu bewogen fühlte. Dieß Letztere ist (zum Gegensatz der regelmäßigenAbnehmer) ein künstlich hervorgerufenes Publicum, was nur durch un-ausgesetzte Anstrengung und Reizmittel zu erhalten oder zu schaffen ist."Trotzdem erlebte man „eine Vermehrung der Etablissements, als ob dieBücher so nöthig wären wie Fleisch und Brod"; die Folge war derKundenrabatt. Für den Verleger betonte Volckmar die Notwendigkeit,„durch Verkäufe in Masse, durch Antiquare oder Auktionen die un-geheuren Vorräthe zu verkleinern", die teils durch das Veralten ein-zelner Bücher und ganzer Zweige der Litteratur, teils dadurch entstehen,daß die große Zahl der Sortimcntshändler zu einer unvcrhältnismäßigcnNovaverscndung zwingt, und daß manche Bücher „sofort in Massenund mit Geräusch verbreitet werden müssen". „Somit haben alsoSortimcntshändler und Verleger den frühern Boden verlassen und sichauf einen neuen begeben, auf welchem es aber noch an genügender Er-