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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Gutachtliche Äußerungen" 1847: Volckmar, Renner,

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weise zu beziehen pflegen, so leicht mit Borschriften, welche sie dem Ver-käufer machen wollen, durchdringen werden".Mit der Unselbstän-digkeit geht die übermäßige Coneurrenz so Hand in Hand, daß es schwerwird zu entscheiden, welches Ursache und welches Wirkung ist. Ohnedie Coneurrenz wäre vielleicht die Selbständigkeit länger erhalten worden,aber neben einer selbständigeren Haltung der größern Sortimentshand-lungcn würden ihre Concurrcntcn auch nicht so leicht haben aufkommenkönnen." Eine derartige Veränderung würde der Nutzen des Verlegerssein, der seine Novitätenlieber an eine kleinere Zahl thätiger Hand-lungen vertheilen, als sie auf's Ungefähr durch ganz Deutschland , mankönnte sagen durch ganz Europa , zerstreuen" würde,wenn ihm nurdiese kleinere Zahl mit der Aussicht auf ein glatteres Geschäft entgegen-käme"; es würde der Nutzen der kleinern Handtungen sein, die einer-seits bedeutend an Handlungsuukostcn sparen würden, andrerseits abernun auch vom Kundenrabatt befreit sein könnten: dennwenn derBuchhandel aus einem Commissionsgeschüft hauptsächlich wieder ein festeswird, und wenn eine geringere Anzahl solider Handlungen es in derHand hat, über ihre Stellung zu den Kunden unter sich ein Über-einkommen zu treffen", ist gewiß auch Aussicht auf Verminderungoder gänzliche Abschaffung des Kundcnrabatts. Es wird auch gegenüberder Konkurrenz von größerm Nutzen sein, als es so harte, gehässigeund gefährliche Mittel könnten wie Kreditvcrwcigerung oder staatlicheZwangsmaßregeln.Ein unberufener Anfänger möchte leichter durchpolizeiliche Beschränkungen, wo sie etwa der Vermehrung der Buchhand-lungen entgegenständen, und selbst durch die Censur seiner Eoncurrentenschlüpfen können, als er wagen würde, durch feste Bestellungen und Her-stellung eines eigenen Lagers seinen Credit, seine Kenntnisse und seinUrtheil auf eine harte Probe zu stellen. Aber unter den gegenwärtigenVerhältnissen setzt er nichts ein, als die erborgten 1W0 Thlr., undhofft auf den glücklichen Fall, daß er mit Novitäten und Disponenden»verde nothdürftig sein Dasein fristen können." Reimer denkt so aneineinnere Wendung" des Buchhandels, hauptsächlich dahingehend:mehr festes Geschäft und dadurch in größcrn und in günstig gelegenenkleinern Städten eine geringere Anzahl von Sortimentern, durch diedie kleiner» Handlungen versorgt würden; diese kleinen Handlungen,ohne innere Befähigung, ohne Verbindungen und Mittel zur Gründung