Alter und neuer Buchhandel.
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käufc aus Verlagsauktioncn verboten seien. Das war ein Erkenntnis,dem sehr beachtliche der eingeforderten Gmachten stark widersprachen.Das Mutachten der Eottaschen Buchhandlung, gestützt durch Unterschriftenvon Gelehrten und Rechtskundigen, lautete dahin, daß den Antiguarender Vertrieb von Büchern, die die Sortimcmer nicht führten, sowie vonResten älterer Auflagen unbedingt zu überlassen sei. Die Kgl. Regie-rung von Oberbayern hob denn auch das Münchener Magistratscrkenntnisals unzeitgemäß wieder auf. Die Klüger legten Berufung an das Kgl.Handelsministerium ein. Das Handelsministerium stieß den Rcgieruugs-beschluß um uud beauftragte den Münchcncr Magistrat, gütliche Einigungder Parteien mittels gemeinschaftlicher Aufstellung der Grenzen der Gc-werbebcfugnisse der Antiquare zu versuchen, eventuell weitern Beschlußzu fassen, respektive ein allgemeines Regulativ aufzustellen. Die VerHandlungen begannen, scheiterten, wie vorauszusehen gewesen war, andem Punkte. „Ankauf von Auflagcresten", der Magistrat stellte einRegulativ auf (11. August 1857), die Antiquare legten dagegen Be-rufung an die Kgl. Regierung von Oberbayern ein, und alles bliebbeim alten. In der Generalversammlung des rheinisch-wcstphälischcnKreisvereins vom Jahre 1853 wurde der Antrag eingebracht: die Mittelzu erwägen, um den gesetzlichen Verkauf von Büchern, Reisekartenu. dergl. aus Dampfbooten und Eisenbahnen, in Gasthöfen und anandern Orteu zu verhindern. Eine Kommission zur Beratung des An-trags wurde eingesetzt, und sie erreichte in der That eine entsprechendeVerfügung des Obcrpräsidcntcn der Rhcinprovinz; der direkte Verkehrder Verleger mit dem Publikum und der Handel gerade mit dengangbarsten Artikeln, wie Kalendern u. dcrgl., durch Beamte, Buchbinderund Kolportcure aber nahm hier wie allerwnrts nur zn.
Und immer vernehmlicher sprach man von dem „alten und demneuen Buchhandel". F. Stöpels „Gedanken über den Deutschen Buch-handel" (Berlin 1864) sahen „die Novitätenversendung, das Eon-ditionssystem überhaupt, als das Grundübel des deutschen Buchhandelsheutiger Zeit" an. „Darin wurzeln die Mißverhältnisse sämmtlich .die Überproduktion, die Unsicherheit der Kapitalsanlage in Verlags-unternchmungen, die hohen Ladenpreise, die schnelle Entwerthung derBücher, die verhültnißmäßig geringen Honorare der Schriftsteller, endlichdie übermäßige Häufung der Sortimcntshandlungcn, das gegenseitige