4^2 10- Kapitel: Tic Reformbewegung bis zum Ausgang der sechziger Jahre.
Überbieten an Wohlfcilheit und jene systematische Schleudere!, die demPublikum alles Vertrauen rauben muß. . . Die Axt muß an die ge-meinsame Wurzel gelegt, sie müssen zerstört werden mit dem Orga-nismus', aus dem sie hervorgehen." Diese Zerstörung würde bestehenin der Ersetzung des Konditions- durch das Barkaufsystem und der Er-setzung der Kommissionslagcr in den Ecntralplätzcn durch einen neuenGroß-Zwischenhandcl daselbst. „Der Anfang ist schon gemacht, er istgemacht in den Lieferungsausgaben, in den Nabattanderungen bei festemund Baar-Bczuge, in der jetzt noch vereinzelten Erscheinung von Vcr-lagshandluugen, die sich auf ein bestimmtes Fach spccialisircn." „Manliebt es", meinte dasselbe Büchlein, „den Buchhandel nach seinen Eigcn-thümlicbkcitcn von einem gewissen (ich weiß nicht wie) sublimen Stand-punkte aufzufassen, als wenn die Gesetze, welche über das Verhältnis;von Hervorbringung und Verbrauch, von Begehr und Angebot, vonPreisbestimmung und Preisschwankung, längst von der Volkswirthschafts-lchrc erkannt und aufgestellt sind, von allen Handelszweigen nur alleinauf den Buchhandel keine Anwendung fänden oder finden dürften"; derBlick wird getrübt „durch eine herkömmliche Koketterie mit der ,wundcr-vollen Organisation' und der Kulturhistorischen Aufgabe und Bedeutung'des Buchhandels; es muß nothwendig den Verständigen und Bescheidenenaltmählig dcgoutircu, immerfort anhören zu müssen, der Buchhandel seider ,Trüger der Wissenschaft', ,Träger der Cultur' und was solche schöneEpitheta weiter sind." Solche Selbstüberschätzung würde unschädlicheNenommistcrci sein, wenn nicht eine andere, in ihren Folgen gefährlicheAnschauung damit Hand in Hand ginge: „Der Glaube an die Unfehl-barkeit und Unantastbarkcit des jetzigen .Organismus' des deutschenBuchhandels, aus welchem eben, nach der landläufigen Ansicht, die hoheBedeutung des deutschen Buchhandels beruhen soll. . . Mag mannoch so viele, noch so große Schäden der jetzigen Geschäftöbchandlnngaufzählen uud begründen, das Eine steht fest: aber der Organismus,der Organismus muß erhalten bleiben. Denn der ist ein Erzeugnis;unserer gesammten Eulturcntwickluug, eng verwachsen mit den Interessender Bildung :c. —"
Ein Büchlein mit dem Titel: „Sein und Werden im deutschenBuchhandel", erschienen in Altcnburg 18l>l? unter dem Pseudonym ErnstNamenlos, gab u. a. die folgende Schilderung.