Charakter des Zeitraums 184S—1866; Technik.
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zu ungeheueres. Er hatte „dazu alle Mittel zur Hand"; aber die Zeithatte sich ans dem Geiste des Zeitalters Göschcns noch nicht hcraus-gclcbt. „Zum wohlfeilen und schnellen Druck der Bücher", sagtKönig, „ist genug geschehen, zum bessern Druck bleibt uoch viel zu thunübrig." Der Bücher; aber die Zcitungsprcssc? Nachdem zunächst mitHansens „Selbstauslcgcr" das mechanische Auslegen des gedruckten BogcnSerfunden war, verwirklichte der Einlege- uud Schncidcapparat A. Auers,des Direktors der K. K. Hof- und Staatsdruckcrci in Wien , die Nollcn-papicrzuführung: die Presse druckte von Papierrollen und zerschnitt dieRollen nach dem Druck sclbstthätig in einzelne Bogen. Perrcau inParis ließ die Presse mit zwei Zylindern — aber noch auf festemFundament — arbeiten, von denen der eine den Druck der Vorderseite,der andere den der Rückseite des PapicrbogenS in einem Arbeitsgangcbesorgte; im Jahre 1847 baute Marinoni in Paris seine vierfache„ReaktionS"-Maschine, die in reaktionärer Bewegung den eben auf einerSeite gedruckten Bogen auf dem gleichen Zylinder und gewendet znmWiderdruck zurückführte. Ein Jahr vorher, 1846, entstand in derMaschinenfabrik von Hoc in Ncwyork die erste Presse, in der das ebeneFundament durch den Zylinder ersetzt wurde. Man bezeichnete diese„l^ps KevolvinK- ^rintinK- ^luokino" (Typcnumdrchnngsmaschine)auch als „Blitz-ZcitungSschncllprcssc" (I^iZlituinA Rotar^ ^mvs?ress):die Königschc Doppclmaschinc wurde bis zu einer Leistungsfähigkeit von2400—3000 Abdrücken in der Stunde gebracht, MarinoniS vierfacheRcaktionSmaschinc gab mit einem Zylinder 2000—2500, im ganzen also8000—10000 Abdrücke, die Hocschc Presse lieferte 15000—20000Abdrücke in der Stunde. Und nun schloß die Timcs-Drnckerci, die die ersteKönigsche Schnellpresse in Thätigkcit gesetzt hatte, den Ring, indem sie diebeiden bisher noch getrennten Anwendungen des Notationsprinzipö ver-einigte: ihre Walterprcssc verband die Ersetzung des ebenen Fundamentsdurch den Zylinder mit der Nollcnpapicrzuführung; die Leistung betrug22—24000 Abdrücke in der Stunde. Das erst war die „Notationsprcssc"schlechthin, die von Friedrich König entdeckte Druckpresse der Neuzeit.
Auch in der Buchbinderei hielt die Maschine jetzt ihren Einzug.Der Übergang von der Handarbeit des einzelnen Buchbinders zurFabrikation in der Herstellung des BuutpapicrS, die Einführung der Buch-bindcrlcinwand, des Kaliko, von England her waren die einzigen wcscnt-