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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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12. Kapitel: Die Reformbewegung bis 1389.

In der That: eine erhöhte Druckkraft und die gesteigerte Beziehungauf immer weitere und allgemeinere Konsumentenkreise, beides sowohl inder Produktion als im Vertrieb, waren die weit unter den Eigentümlich-keiten besonderer Zweige des Handels oder der Industrie und unter derSchicht allgemeiner Maßnahmen der Gesetzgebung gelegenen Tendenzen, dieder EntWickelung der Jahrzehnte seit 1870 allgemein eigentümlich waren.

Der Beginn des Zeitalters der dreißigjährigen Schutzfrist, einganz neuer Aufschwung und eine ganz neue Ausbildung des seit demNotgcwerbegesetz freigegebenen Kolportage- und Reiscbuchhandcls, dasneue Einheitsporto für das Fünfkilopakct, die Zunahme eines Obcr-flachcnbuchhcmdels gleichsam, der sich damit begnügte, der Vermittler wohl-bekannter und wohleingeführter Litteratur zu sein, das zunehmende Ab-fließen der mit verstärktem Druck emporgepreßten Produktion nach derSeite direkten Vertriebs und nach derjenigen des zu neuer Bedeutunggelangenden modernen Antiquariats (Ramsch- und Restbuchhandels)waren die wesentlichsten Erscheinungen jener erhöhten Druckkraft und ge-steigerten Beziehung auf allgemeine Konsumentenkreise, die zusammen dieUnternehmerfähigkeit steigerten und den litterarischen Stoff gleichsam injede Falte des möglichen Absatzgebietes hineinzupressen suchten.

Der Buchhandel war der Diener des Publikums, des Publikums imweitesten Sinne, gewiß. Aber jemehr auch der Buchhändler als Kauf-mann und spekulativer Fabrikant von einem allgemein erhöhten, gleichsamformalen Impuls merkantiler Erwerbsbegier getrieben wurde, um so mehrwurde er ein Diener, der seinen Herrn in gewissem Sinne und Um-fange beherrschte, indem er das Publikum auf alle Weise aufsuchte, indemer es aufrüttelte, indem er seinem Stolz und seinem Vergnügen schmeichelte.Eine Aufnahmeschicht stand dem gegenüber, zusammengesetzt in der Einzel-persönlichkeit und im Nebeneinander der Einzelnen aus alten, nur invergrößerter und verstärkter Weise zu bearbeitenden und neuen, inhaltlichreicherer und höherer Zufuhr fähigen Bestandteilen, in welcher Aufnahme-schicht Eigenbewegung und Mangel eigener Beweglichkeit in einer fürdas Emporsteigen jenes merkantilen Aufschwungs günstigsten und fürseine Entfaltung wünschenswertesten Weise verschmolzen waren.

Wenn also und soweit der Büchcrküufer, d. h. der durchschnittlicheBüchcrkäuser desjenigen Teiles des Publikums, dessen Veränderung wiroben andeuteten, ein anderer wurde, so wurde das auch der Buchhandel.