Statutenrevisions-Kommission, September 1879.
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ausgebreiteter solider Sortimentshandel bestehen bleibt, so ist die dasFortbestehen eines gesicherten ausreichenden Literaturvertriebs gefährdendeSchleuderet als gemeinschädlich anzusehen und zu bekämpfen". EnslinschcVorsicht aber schuf die Fassung der allgemeinen Zwcckangabc: DerBörsenverein habe zum Zweck die Pflege und Förderung des Wohlessowie die Vertretung der Interessen des Buchhandels im allgemeinenund seiner Angehörigen „im weitesten Umfange".
Aus dem Widerstreit zwischen Vorwärtsbewegung und Stillstandalso das Kompromiß des halben Schrittes nach vorwärts.
In den Verhandlungen über die Fragen, ob die obligatorischeMitgliedschaft für alle mit dem deutschen Buchhandel in direktemVerkehr stehende Firmen zu ermöglichen sei, und ob Bestimmungenzu treffen seien, die die Mitgliedschaft für jeden Buchhändler zurgeschäftlichen Notwendigkeit machten, behielt die konservative Parteidie Oberhand. „Haben wir keine Mittel, die es zu einer sittlichenNotwendigkeit machen, dem Vereine anzugehören? . . So etwasVerführerisches aber, daß einer sich fragen könnte: ,ist nicht meineExistenz gefährdet, wenn ich nicht Mitglied werde', haben wir nichtzu bieten" (Bühlau). „Wir haben es stets versucht, die Polizei unddie staatliche Hilfe von uns fern zu halten, sollen wir uns nun mitZwang Mitglieder zuführen? Wird der Verein wirklich mehr Gewichthaben, wenn er alle 5000 Firmen, die Schulz' Adreßbuch uns auf-zählt, als die scinigcn nennt? Glaubt man etwa, daß z. B. dieRegierungen, welche auf die Stimme des Vereins in allen wichtigenFragen so viel gegeben haben, danach frugen, ob hinter dem Vor-stand 1000 oder 5000 standen?" (Kaiser). „Wer nicht mit Über-zeugung zu uns kommt, den wollen und können wir nicht zwingen, undwir danken auch für Mitglieder, die nur ihre 30 Mark Eintritts-geld bringen und weiter nichts" (Enslin). Man könne nicht den Ver-leger im voraus auf die Statuten von 25 Kreisvercinen, die noch garnicht da seien, vereiden, sagte Kaiser, und Brockhauö vollends erklärte:im ganzen sei er kein Freund der Kreiövercinc; mache der Börsenvercinsich nur in den nächsten dreißig Jahren so verdient, wie in den ver-flossenen, so könne man außerordentlich zufrieden sein. Das Statutsei sowohl reformbedürftig als rcformfähig. Aber hiermit sei die Sacheauch fertig; es sei durchaus nicht nötig, den außerhalb des Vereins ehren-