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12. Kapitel: Die Reformbewcgung bis 1889.
Haft bestehenden Buchhändlern entgegenzutreten, alles auf den Kopf zustellen und ganz andere Ziele zu verfolgen als bisher.
Was Kröner auf den Lippen lag, während die Bühlau, Kaiser,Enslin, Brockhaus, Rohmcr sprachen, liegt auf der Hand. Hatten sienicht so unzweifclbar Recht — nachdem sie das Eingreifen des Börsen-vereins in den „Verkehr der Buchhändler mit dein Publikum" zu Fallegebracht hatten? Auf solcher Grundlage gab Kröner auch seinem ent-schiedensten Gegner Brockhaus recht. „Wollen wir das nicht, so lassenwir lieber alles beim alten." Zweifellos, der Börscnverein konnte auchweiter existieren als ein Verein, dessen Mitglieder sich mit dem Rechtebegnügten, die Börse und die Bibliothek benutzen zu dürfen. Wozu aber dannein neues Statut? Dazu genügte das alte vollauf. Der Schutz gegen dieSchleuderet durch den Börscnverein aber — dies eben mußte nach Kröncrjenes „Verführerische" sein, das derber wirkte als „sittliche Notwendigkeit".
Beide Fragen, wie gesagt, wurden verneint.
Die vierte Frage bestand aus zwei Teilen: einem ersten, der demBörscnverein die Aufgabe stellte, seinen Mitgliedern Normen vorzu-schreiben (Usanccncoder), die sie im gegenseitigen geschäftlichen Verkehrzu beobachten hätten, und der angenommen wurde; und einem zweiten:„Liegt es in der Aufgabe des Börsenvereins, seinen Mitgliedern dieNormen vorzuschreiben, welche sie im Berkehr mit dem Publikum zubeobachten haben?" Es war nach den vorangegangenen Streichungenselbstverständlich, daß die Frage verneint wurde. Kröner aber trat injeder neuen Position neu für das ein, was schon verloren schien; undwie bei der ersten Frage, so erwirkte er auch hier der von ihm ver-fochtcncn Anschauung doch noch einen Vorteil. Seine Frage zwar: „Istes die Aufgabe des Börscnvcrcins, seinen Mitgliedern die Normen imVerkehr mit dem Publikum über die in Z 1 verzeichneten Grenzen hinausvorzuschreiben?" war nach dem, was vorangegangen war, viel zu weit-gehend, als daß sie Aussicht auf Bejahung hätte haben können; JosefBielefeld aber fand eine Fassung für das, was durchzubringen war,und zu Gunsten des Biclefeldschcn Antrags zog Kröner den seinigcnzurück; „ist cs die Aufgabe des Börsenvereins, die Ausführung der Be-stimmungen über den Verkehr mit dem Publikum, welche seitens dereinzelnen Kreisvercine getroffen werden, mit Bezug aus Z 1 zu stützen?"Die Frage wurde bejaht.