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12. Kapitel: Die Reformbewegung bis 1889.
jenigcn, welche nicht im Bezirke eines solchen Vereins wohnten, tratenan Stelle des genannten Nachweises die Einreichung und Empfehlungdes Aufnahmcgesuchs durch drei Mitglieder des Börsenvereins. DemKröncrschen Antrag war ein anderer von Hermann Kaiser voran-gegangen, der als Aufnahmebedingung den Nachweis forderte, daß derAufnahmesuchende Mitglied des betreffenden Kreis- oder Lokalvereinssei, sofern ein solcher vorhanden sei. Schon hiergegen waren Brockhausund Spcmann aufgetreten, weil sie befürchteten, daß eine solche Be-stimmung zahlreiche große Verleger aus dem Börscnvcrein hinaustreibenwürde. Davon unbeirrt brachte Kröner seinen noch verschärften Antragein, und er wurde angenommen.
Aber nicht genug damit, daß so durch die Kröncrsche Partei dieSache der Kreisvereine vom Statut grundsätzlich zu der Sache desBörscnvereins gemacht wurde. Wie eine Bombe schlug in die Ver-sammlung, in der die großen Verleger schon durch den vorangegangenenAntrag den Börsenverein zersprengt sahen, der Antrag Kröners: „JedesMitglied hat bei Verkäufen an das Publikum stets die statutenmäßigenRabattnormen derjenigen vom Börsenverein genehmigten (Lokal- und)Kreisvereine zu respektieren, in deren Bezirk oder nach deren Bezirk derVerkauf stattfindet. Die Rabattnormen der vom Börsenverein ge-nehmigten Vereine sind vom Börscnvereinsvorstcmde den Mitgliedern zurKenntniß zu bringen". Es war dies der Antrag, der, wie wir sehenwerden, zuletzt eine Anzahl Konfcrcnzmitglieocr bewog, den ganzen Ent-wurf abzulehnen. Man trug auf Vertagung der Beschlußfassung an.Es sei ein Punkt von einer Tragweite, deren Folgen man sich vorherdurchdenken müsse. Es sei ein Antrag, mit dem man den Verein dengrößten Gefahren aussetze (Brockhaus), der, von der Hauptversammlungangenommen, die Auflösung des Börscnvereins herbeiführen werde(E. Werlitz, Stuttgart ). Kröncr bemerkte dagegen mit großer Ruhe:der Antrag sei im Gegenteil etwas so wenig Neues und Unerwartetes,daß er es nicht für nötig halte, seinen eigenen Antrag auch nur miteinem einzigen Worte zu unterstützen. „Seit dem Beginn der Be-wegung ist der Gedanke mehr wie hundertmal ausgesprochen, mehr wiehundertmal gedruckt." Enslin beantragte namentliche Abstimmung.Der Antrag wurde gegen zehn Stimmen (worunter die von Enslin,Brockhaus, Bohlau, Kaiser, Werlitz) angenommen.