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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Statutencntwurf 1887. Rheinisch-westfälisches Programm. 5<ZZ

Der Statutencntwurf wurde, teils nach dein ganzen ihn tragendenGrundgedanken, teils nach einzelnen Punkten hin uicht überall mit bei-fälliger Kritik aufgenommen. Eduard Brockhans und Albrecht Kirchhoff waren die hcrvortrctcndstcn Vertreter derjenigen, denen ein Eingreifenin den Verkehr der Buchhändler mit dem Publikum und jede Art vonZwangsmitteln uach wie vor grundsätzlich als bedenklich und gefährlichgalt; die Sortimeutcrwelt fühlte sich abgestoßen durch den Verleger-Paragraphen; die Rheinländer und ihre Gesinnungsgenossen vermißtendie allgemein gültige inhaltliche Bestimmung der Rnbatthöhc durch denBörsmvcrein und zwar in der Maximalhöhc von 5 auch für denGeschäftsverkehr nach andern Vereinsgebictcn. Die gefährlichsten Gegneraber waren die beiden Bnchhandelsplü'tzc, denen in erster Linie der ganzeKampf galt, Leipzig und Berlin . Der Statutencntwurf legte die Be-stimmung über die Nabatthöhc in die Hände jedes einzelnen Vereinsund verpflichtete alle Vereine, die Bestimmungen jedes Vereins bei denGeschäften nach seinem Bezirk einzuhalten; und dazu war als Erfolgder Arbeit des rheinisch-westfälischen Krcisvcrcins vorauszusehen, daß dieRabatthöhe in der That über kurz oder laug im ganzen proviuzialcnBuchhandelSgcbiet nicht nur 10 sondern sogar 5 "/g betragen würde.Der Buchhandel Leipzigs und Berlins aber, in erster Linie der Sorti-mentsbuchhandel, gab seine zahlreichen Verbindungen im ganzen Reichenicht preis, sah eine Höhe von 10 °/g vom Ladenpreise als Minimum desKundcnrabatts an und hielt daran fest, den Rabatt bis zu dieser Höhenicht nur für Leipzig und Berlin selbst, sondern auch für die Geschäftenach den übrigen Vcreinsbezirkcn selbst zu bestimmen. Undmit oderohne Leipzig und Berlin steht oder fällt der Entwurf; der übrige deutscheBuchhandel muß notwendig auf diese Hauptorte Rücksicht nehmen," er-klärte ein Rundschreiben des Berliner Sortimentcrvcrcins im August 1887.

Hier vor allcm also war der Hebel anzusetzen, und die Führerder rheinisch-westfälischen Bewegung suchten den Sieg in Frankfurt auchüber Leipzig und Berlin dadurch zu sichern, daß sie an der Bildungeiner auf ein gemeinsames knappes Programm gccinigtcn starken Parteiarbeiteten, die in Frankfurt für die darin ausgesprochenen Grundsätze ge-schlossen und ohne Abschweifung eintrat. Den Kern des Programmsbildete die Stellungnahme gegen die im Statutencntwurf vorgenommenePreisgcbung des Höchstrabatts. Der Hauptversammlung sollte es

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