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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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12. Kapitel: Die Reformbewegung bis 1889.

apparates keine Verletzung des Grundsatzes der Gewerbefreiheit bezeichne.Für eine Verletzung des Prinzips der Gewerbefreiheit müssen wir eshalten, wenn man es uns irgendwie erschweren wollte, auf gesetzlichemBoden gemeinschaftlich das zu beschließen und auszuführen, was wirzu einer entsprechenden Verbreitung unseres Verlags für zweckmäßigund notwendig erachten." Otto Mühlbrccht vertrat das unerbittlicheBerlin . Arnold Bergsträßcr, der unermüdliche Schriftführer der arbeits-vollen Ncvisionszeit und treue Freund und Genosse Kroners, präzisierteBerlin gegenüber die Stellung des deutschen Provinzialbuchhandels.Esliegt im Interesse des Verlags, des Sortiments und der Schriftsteller,daß dieses Überwuchern des Rabatts von Berlin aus gegenüber derProvinz nicht fortdauert. Die Herren Spezial-Sortimcnter . . werdeneines schonen Tages diktieren, was sie von uns für Rabatt habenwollen. . . Dann kommen wir dahin, das Sortiment und den Verlagin Berlin zu monopolisieren. Ein kleiner Verleger kann dann garnicht mehr existieren. Der Verleger, der über ein ganzes Gefolge ver-fügt, wird keine Konkurrenz mehr haben. Wenn wir als Verlegerin eine Stadt kommen, um die Sortimenter für den Vertrieb einesWerkes zu interessieren, dann wird uns heute schon gesagt: derBerliner Spezial-Sortimcnter gebe einen solchen Rabatt, daß man mitihm gar nicht konkurrieren könne. Die Folge davon ist, daß der Absatzimmer mehr dem Großsortiment zufällt . . Wir haben eine historischeEntwicklung im Deutscheu Reich, welche eine Reihe von Kulturstättengeschaffen hat, und die historische Entwicklung des deutschen Sortimentsist eng mit diesen Kulturstätten verwachsen. Wir wollen nicht, daß derdeutsche Sortimentsbuchhandel solchen Zuständen verfalle, wie sie inParis und London bestehen, wo der Verleger oft von einer Firma ab-hängt, je nachdem dieselbe kauft oder nicht kauft." Kroncr bedachte dieBerliner mit bittcrm Humor.Es ist angeführt worden, Berlin sei keineFremdenstadt. Ja, meine Herren, wenn es keine Frcmdenstadt ist, wasich übrigens bezweifle, so teilt es dieses Schicksal mit einer ganz erheblichenAnzahl anderer deutscher Städte. Man ist soweit gegangen, zu sagen,Berlin habe keine überseeischen Beziehungen, sei keine Seestadt. MeineHerren! Auch diesen Nachteil, keine Seestadt zu sein, teilt Berlin miteiner großen Anzahl anderer deutscher Städte. . . Herr Mühlbrccht hatuns... die Lage der Berliner Sortimenter gegenüber dem Provinzial-